Ärzte Zeitung, 03.06.2009

Sicherheit bei der Arzneimitteltherapie - was kann verbessert werden?

Das Bundesgesundheitsministerium setzt in seinem Aktionsplan zur Verbesserung der Arzneimittelsicherheit auf elektronische Verordnungsassistenten.

Von Anno Fricke

Sicherheit bei der Arzneimitteltherapie - was kann verbessert werden?

Zwischen 31 000 und 83 000 Menschen sterben alljährlich in Deutschland an den Folgen von unerwünschten Arzneimittelereignissen. Diese Zahl nannte Professor Bruno Müller-Oerlinghausen beim Hauptstadtkongress in Berlin.

Die Ursache sieht der ehemalige Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft in inadäquaten Verordnungen. "Bei mehr als 55 000 zugelassenen Arzneimitteln ist es für den Behandler auch bei größter Kompetenz und Sorgfalt beinahe unmöglich, alle Aspekte der Arzneimittel-Therapie-Sicherheit zu bedenken", sagte Müller-Oerlinghausen. Digitale Therapieassistenten in der Praxis- oder Kliniksoftware könnten Ärzten helfen, bei der Verordnung von Arzneien auf unerwünschte Interaktionen von Wirkstoffen aufmerksam zu werden.

Den verstärkten Einsatz dieser Systeme fordert auch der Aktionsplan 2008/09 des Bundesgesundheitsministeriums zur Verbesserung der Arzneimittelsicherheit. "Konsequent angewendet können elektronische Verordnungsassistenten die Arzneimitteltherapie nachhaltig sicherer machen", sagte Müller-Oerlinghausen. Zudem ließen sich fünf bis 13 Prozent der Krankenhauseinweisungen vermeiden und im Gesundheitswesen jedes Jahr 500 Millionen Euro sparen, die auf unerwünschte Arzneimittelereignisse zurückgingen.

Seine Zahlen für Deutschland leitet Müller-Oerlinghausen aus US- Daten ab. Von Interaktionen gefährdet sind vor allem ältere Patienten, die zehn oder mehr Medikamente gleichzeitig einnehmen. Fehler resultierten aus immer komplexeren Therapieverfahren, sagte Müller-Oerlinghausen. Neue Arzneimittel verdrängten in immer kürzeren Zyklen bewährte Medikamente. Fachinformationen seien wenig hilfreich. So unterschieden sich die pharmakologischen Angaben auch bei wirkstoffgleichen Präparaten oft erheblich. Ein Stück weit mehr Sicherheit für den Arzt könne vor der Verordnung eine Untersuchung der Nierenfunktionsfähigkeit und das Abfragen aller vom Patienten eingenommenen OTC-Präparate schaffen.

Ärzte stehen dem unübersichtlichen Marktgeschehen nicht optimal vorbereitet gegenüber. Die unerwünschten Arzneimittelereignisse sollten daher eine breitere Rolle bei der Aus- und Weiterbildung von Ärzten spielen. Müller-Oerlinghausen forderte Ärzte auf, aktiv bei der Entwicklung einer intelligenten elektronischen Gesundheitskarte mitzuarbeiten, um die Informationslage der verordnenden Ärzte zu verbessern. Die KBV hinke dabei hinterher.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

O-Saft senkt das Gicht-Risiko - und hält schlank

Vom Saulus zum Paulus: Galten Fruchtsäfte einst als gesunde Getränke, verbannen heute sogar manche Schulen die süßen Säfte. Forscher brechen jetzt eine Lanze für Orangensaft. mehr »

SmED hilft, künftig Notfälle richtig einzuschätzen

16.20 hDie Notfallversorgung startet ins digitale Zeitalter: Am Montag hat die KBV ein softwarebasiertes Instrument zur Begutachtung von Notfallpatienten vorgestellt. mehr »

Was tun gegen sexuelle Belästigung?

Anzügliche Bemerkungen, obszöne Witze, schlüpfrige Mails bis hin zu Berührungen: Sexuelle Aufdringlichkeit gehört auch in Praxen und Kliniken manchmal zum Alltag. Statt die Belästigungen zu ignorieren, sollten sich Betroffene wehren - dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. mehr »