Ärzte Zeitung, 01.07.2005

Oft reichen wenige Fragen, um Restless Legs zu diagnostizieren

Eine polysomnographische Untersuchung ist nur selten nötig / Etwa 20 Prozent der Patienten benötigen Medikamente

LEIPZIG (scho). Das Restless-legs-Syndrom (RLS) ist rasch zu diagnostizieren. Häufig reichen einige wenige Fragen aus. Die therapeutischen Möglichkeiten werden möglicherweise schon in wenigen Monaten durch die Zulassung von Dopamin-Agonisten aus der Klasse der Non-Ergolin-Agonisten erweitert.

Das A und O bei der Diagnose ist die Befragung der Patienten durch den Hausarzt. Daran hat Professor Jörn Peter Sieb vom Hansa-Klinikum Stralsund auf einer Veranstaltung des Fortbildungsunternehmens EuMeCom in Leipzig erinnert. Durch einige gezielte Fragen bei Patienten mit Bewegungsdrang, Mißempfindungen in den Beinen und Schlafstörungen lassen sich die typischen Symptome eines RLS rasch prüfen, etwa: Wann kommen die Beschwerden vor? Wie äußern sie sich? Hilft Bewegung?

So klagen RLS-Patienten über Jucken, Brennen und Schmerzen in den Beinen. Sie spüren einen Bewegungsdrang, der durch Bewegung tatsächlich gelindert wird. Meist sind nur die Beine betroffen, bei vielen aber auch die Arme. Typischerweise treten die Beschwerden in Ruhe auf und verstärken sich am Abend. Aufgrund der Sicherheit der Diagnose durch eine gute Anamnese sei eine polysomnographische Untersuchung im Schlaflabor nur in Ausnahmen nötig.

Sieb erinnerte daran, daß ein RLS zu Schlafstörungen führen kann, die bei manchen Patienten die Lebensqualität massiv beeinträchtigen können. Dies sollten Ärzte im Hinterkopf behalten, wenn Patienten nicht einschlafen können und gleichzeitig über Mißempfindungen in den Beinen klagen. Überwiegend helfen sich die Patienten dann mit Hausmitteln, etwa heißen Bädern. Auch Magnesium ist bei einem leichten RLS gut wirksam.

Etwa 20 Prozent der RLS-Patienten haben so starke Beschwerden, daß sie Medikamente benötigen. Das einzige in Deutschland bislang zugelassene Präparat ist L-Dopa (Restex®). Sieb verordnet es an seiner Klinik vor allem dann, wenn die Patienten längere Zeit still sitzen müssen wie bei einem Theaterbesuch oder einer Flugreise.

Hauptproblem bei einer L-Dopa-Dauertherapie ist der Wirkungsverlust nach ein bis zwei Jahren und eine Vorverlagerung der Beschwerden vom Abend in die Tagesstunden. Folge ist, daß die Patienten häufig selbständig die Dosis erhöhen. Eine Tagesdosis von 500 mg bis 600 mg sollte jedoch nicht überschritten werden.

Aufgrund dieser Probleme bevorzugt Sieb Dopamin-Agonisten der Non-Ergolin-Klasse, die in Deutschland für die RLS-Therapie jedoch noch nicht zugelassen sind. Hierzu zählen Ropinirol (ReQuip®) und Pramipexol (Sifrol®). Im Vergleich zur Parkinson-Therapie wirken sie bereits sehr gut in einer niedrigen Dosis.

Daß mit der Therapie-Dauer eine Dosiserhöhung nötig wird, sei bisher nicht beobachtet worden, so Sieb. Wichtig zu bedenken sei auch, daß bei Therapiebeginn häufig Übelkeit auftritt. Hier sollte begleitend Domperidon verordnet werden. Keinesfalls dürften die Patienten Metoclopramid erhalten. Metoclopramid wirkt zentral Dopamin-antagonistisch und verstärkt daher ein RLS.

Sieb rechnet damit, daß die beiden Dopamin-Agonisten Ende diesen oder Anfang nächsten Jahres zur RLS-Therapie in Deutschland zugelassen werden.

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