Ärzte Zeitung App, 12.02.2014

Asthma bei Kindern

Inhalative Steroide ein Nachteil für die Knochen?

Die Anwendung von inhalativen Kortikosteroiden in der frühen Kindheit geht möglicherweise zulasten der Knochendichte im Schulalter. Finnische Forscher raten deswegen zu möglichst niedrigen ICS-Dosen.

Von Beate Schumacher

asthmatest-A.jpg

Ein Mädchen wird auf Asthma getestet. Als Therapeutika der ersten Wahl sind inhalative Kortikosteroide auch im Kindesalter unverzichtbar.

© Getty Images/Creatas RF

KUOPIO. Als Asthmatherapeutika der ersten Wahl sind inhalative Kortikosteroide (ICS) auch im Kindesalter unverzichtbar. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass Kortikosteroide unabhängig von der Art der Applikation den Knochenstoffwechsel schädigen können.

So ist der Gebrauch von ICS in der Kindheit mit vorübergehenden Wachstumsverzögerungen in Verbindung gebracht worden, auf die Körperlänge nach Abschluss des Skelettwachstums scheint er sich jedoch nicht oder nur geringfügig auszuwirken.

Zum Einfluss auf die Knochendichte gibt es widersprüchliche Studiendaten. Auch die Ergebnisse einer jetzt publizierten Studie aus Finnland sind nicht ganz eindeutig, legen aber einen Zusammenhang von früher ICS-Therapie und Knochendichteverlust nahe (Pediatric Pulmonology 2013; online 17. Dezember).

Die Studie war ursprünglich aufgesetzt worden, um die gesundheitliche Entwicklung von Kindern zu verfolgen, die vor ihrem dritten Lebensjahr wegen Wheezing stationär aufgenommen worden waren.

31 von 100 Kindern hatten direkt nach dem Krankenhausaufenthalt für 16 Wochen ein ICS erhalten, bis zum medianen Alter von zwölf Jahren waren insgesamt 68 Kinder mit ICS behandelt worden (mittlere kumulative Dosis 31-1813 mg Budesonid-Äquivalente). Zu dieser Zeit wurde bei 89 Kindern die Knochendichte per Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA) bestimmt.

Am Oberschenkelhals zeigte sich, nach Abgleich anderer Einflussfaktoren, eine signifikante, wenn auch schwache Korrelation zwischen steigenden kumulativen ICS-Dosen und sinkender Flächendichte sowie volumenbezogener Knochendichte. Kein Zusammenhang zwischen der ICS-Gesamtdosis und der Knochendichte fand sich dagegen an der Lendenwirbelsäule.

Dabei spielte es offenbar eine Rolle, wann die ICS angewendet worden waren. Jene zwölf Kinder, die nur vor dem sechsten Lebensjahr und zwar für mehr als sechs Monate behandelt worden waren, hatten an der LWS eine signifikant niedrigere Knochendichte als die 21 Kinder, die niemals ICS verordnet bekommen hatten.

Eine ähnliche, etwas schwächere Assoziation bestand für den Oberschenkelhals. Dagegen hatten jene mit ICS-Therapie nur zwischen sechstem und zwölftem Lebensjahr gegenüber den Nieanwendern keine verminderte Knochendichte.

Die Forscher der Uni Kuopio schließen aus ihren Beobachtungen, eine ICS-Therapie bei Kindern "könne" die Knochendichte im Schulalter reduzieren. "Dabei gibt es möglicherweise eine kritische Phase, die im Alter unter sechs Jahren liegt."

Auch wenn es sich um vorläufige Daten handele, würden sie die Notwendigkeit unterstreichen, bei Kindern mit Asthma die niedrigst mögliche ICS-Dosis zu verwenden.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Das größere Risiko

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »