Ärzte Zeitung, 19.12.2016
 

Asthma

Tabakentwöhnung braucht eine gute Praxisorganisation

Kurse zur Tabakentwöhnung können dazu beitragen, das Praxisprofil zu stärken. Für den langfristigen Erfolg ist eine gute Organisation wichtig.

Von Marco Hübner

NEU-ISENBURG. Der Verzicht auf den Glimmstängel kann bekanntlich helfen, bestehende chronische Erkrankungen besser therapierbar zu machen oder Leiden zu vermeiden. Die Tabakentwöhnung birgt aber nicht allein Potenzial für Patienten. Ärzten kann dieser Tätigkeitsschwerpunkt neue Chancen eröffnen: Das Profil der Praxis lässt sich schärfen und Mediziner können sich mit dem Angebot neuen wirtschaftlichen Spielraum bei überschaubarem Aufwand erarbeiten. Davon ist Dr. Wolfgang Grebe überzeugt, der als Internist und Sportmediziner eine Privatpraxis im nordhessischen Frankenberg betreibt.

"Das Angebot lässt sich gut in den normalen Praxisablauf integrieren, auch dann, wenn beim Arzt das Zeitbudget knapp bemessen ist", betont Grebe im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Der Internist leistet seinen Patienten nach eigenem Bekunden seit vielen Jahren ärztlichen Beistand, damit die es schaffen, das Laster langfristig loszulassen. Gemeinsam mit Kollegen habe er in den 1990-er Jahren eine systematische Tabakentwöhnung als strukturiertes Programm und als Curriculum entwickelt. "Bei schätzungsweise immer noch 20 Millionen Rauchern in Deutschland geht Medizinern die Arbeit nicht aus", so Grebe. Die Raucherberatung zählt zu den Selbstzahlerleistungen. Anbieten kann sie jeder Arzt, wenn er sich entsprechend qualifiziert hat.

Keine gelegentliche Tätigkeit

Ärzte die Tabakentwöhnung auf Praxisschild, Briefkopf und anderen Werbeflächen präsentieren wollen, müssen sich an die Bestimmungen in der Berufsordnung halten (Paragraf 27 (4-3)):

Die Tätigkeit darf nicht nur gelegentlich ausgeübt werden,

der zuständigen Ärztekammer müssen auf Verlangen Unterlagen vorgelegt werden, die die Qualifikation des Mediziners belegen.

Wer diesen Tätigkeitsschwerpunkt für seine Praxis wählt, kann die Qualifikation durch spezielle Kurse erlangen. Die sollten von der Kammer zertifiziert sein, damit es bei Prüfungen später keine Probleme gibt, rät Grebe. Aktuelle Angebote lassen sich häufig über Berufsverbände und Kammern ausfindig machen. Die Kurse nehmen in der Regel sechs bis acht Stunden in Anspruch und kosten ab 200 Euro aufwärts, so der Arzt aus Frankenberg. Gängige Curricula bestünden aus Themen wie Medikation, Abrechnung, Rückfall-Prophylaxe und Lehreinheiten zum Gesundheits-Coaching. Haben Ärzte den Kurs mit Zertifikat abgeschlossen, geht es an die Umsetzung in der Praxis.

Für den Internisten haben Medizinische Fachangestellte (MFA) eine Schlüsselfunktion in der Tabakentwöhnung. "Wer die MFA zu Entwöhnungskursen mitnimmt, kann sich Vorteile für die Praxisorganisation verschaffen", berichtet Grebe aus seiner Erfahrung. Einige Leistungen, wie etwa das Kontrollieren von Patiententagebüchern lassen sich delegieren. Bevor Angebote umgesetzt werden, helfe eine Teamsitzung, um auf die neue Aufgabe vorzubereiten. Motivierend könne wirken, wenn MFA auch von Einnahmen aus der Selbstzahlerleistung profitieren – etwa durch zusätzliche für den Arzt abgabefreie Sozialleistungen.

Grundsätzlich sollten Ärzte entscheiden, ob sie Gruppen- oder Einzelveranstaltungen anbieten wollen. Für Grebe ist das auch eine Frage des Zeitbudgets: "Ärzte mit eher wenig Zeit können Gruppen besser stemmen." In Gruppen motivierten sich Patienten stärker untereinander, im besten Fall müssten Ärzte dann im Wesentlichen moderieren. Der Aufwand lasse sich so minimieren.

Richtigen Termin auswählen

Seminare sollten möglichst immer dann terminiert werden, wenn Patienten für solche Angebote besonders sensibel sind. Zwischen den Jahren fassen bekanntlich viele den Vorsatz, das Rauchen aufzugeben. "Für jene ist im Februar ein Termin attraktiv", rät Grebe. Aber auch Daten wie der Weltnichtrauchertag (31. Mai) und der Welt-COPD-Tag im November bieten sich an. Dann bleibe MFA genug Zeit, um Patienten rechtzeitig anzusprechen. Wichtig sei, Patienten aktiv auf Seminare hinzuweisen. "MFA können alle Raucher in der Praxis ansprechen", sagt der Arzt. Seltene Gäste am Empfangtresen, wie Rezeptabholer, sollten nicht ausgelassen werden.

Um mehr Aufmerksamkeit für den Kurs zu bekommen, sollten Ärzte die Medien einspannen, so die Erfahrung des Privatarztes aus Frankenberg. "Dass Sie Patienten dabei helfen, ihre Neujahrsvorsätze einzuhalten, kann eine Geschichte für die Lokalpresse sein", betont Grebe. Weiter empfiehlt er, Fitness-Studios, Betriebe und Schulen am Ort mit ins Boot zu holen: Plakate oder Flyer mit Hinweisen auf Seminare gegen die Qualmerei seien eine weitere Option.

Raucherberatung abrechnen

Die Eingangsuntersuchung können Ärzte wie gewohnt mit z. B. den GOÄ-Nrn. 7 oder 8 und den GOÄ-Nrn. 1 und 3 für die Beratung abrechnen.

Die Tabakentwöhnung kann für Gruppen und einzelne Patienten berechnet werden: Die GOÄ-Nr. 20 gilt für Gruppenkurse bis zwölf Teilnehmer (2,3-fach 16,09 Euro). GOÄ-Nr. 34 wird für die Einzelberatung genutzt (max. zwei Mal im Halbjahr, 2,3-fach 40,22 Euro).

Beispielrechnung: Mit einer Raucherberatung mit zwölf Teilnehmern (GOÄ-Nr. 20) können Ärzte in einer Stunde circa 190 Euro umsetzen.

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