Ärzte Zeitung, 16.03.2005

Nasenpolypen können Hinweis auf chronische Rhinosinusitis sein

Eingeschränkter Geruchssinn bei vielen Patienten / Medikament verkleinert Polypen

NEU-ISENBURG (hbr). Entwickeln Patienten mit chronischer Rhinosinusitis (CRS) Nasenpolypen, ist dies möglicherweise nicht nur ein Zeichen für eine fortgeschrittene CRS. Vielmehr gibt es Hinweise, daß es sich hier um eine besondere CRS-Form handelt. Häufiges Symptom ist eine Störung des Geruchssinns.

Patienten mit CRS plus Nasenpolypen wirken müde. Ständig sei die Nase verstopft, klagen sie, und sie räuspern sich wiederholt. Oft haben sie Kopfschmerzen, die sie "als so eine Art Druckgefühl" beschreiben. Weil die Nasenatmung behindert ist, schlafen sie schlecht. Die Partner beschweren sich über das Schnarchen. Und fragt der Arzt gezielt danach, fällt den Patienten noch ein: Seit einem halben Jahr stimmt auch etwas mit dem Riechvermögen nicht mehr.

Der eingeschränkte Geruchssinn ist ein Hinweis auf Polypen bei CRS. Die verstopfte Nase wird oft von retronasalem Schleimfluß begleitet, der sich als "Frosch im Hals", Heiserkeit oder Räusperzwang äußert. Subfebrile Temperaturen und Abgeschlagenheit sind weitere mögliche Begleiterscheinungen, wie Professor Ludger Klimek aus Wiesbaden bei einer Veranstaltung von Essex Pharma in Neu-Isenburg berichtet hat.

Tagsüber seien diese Patienten auch deshalb andauernd müde, weil ständig eine Entzündung in ihnen aktiv sei, so Klimek. Der Ausfall des Riechsinnes ist Anlaß zur Facharztüberweisung. Die Folgen der Entzündung in den Nasennebenhöhlen, die Polypen, sind etwa endoskopisch und radiologisch sichtbar.

Eine Polyposis bei CRS plagt drei bis fünf Prozent der Bevölkerung. Sie trifft vor allem Menschen im mittleren Lebensalter, zwei Drittel davon sind Männer. Allerdings entwickeln nicht alle CRS-Patienten Nasenpolypen. Warum die einen verschont bleiben und andere nicht, war bisher unklar.

Jetzt weisen Daten darauf hin, daß die Polypen kein Zeichen einer fortgeschrittenen CRS sind, sondern Hinweis auf eine besondere CRS-Form. Das berichtete Professor Herbert Riechelmann aus Ulm. Er untersuchte Material aus den Nebenhöhlen von CRS-Patienten mit kleinen und ohne Polypen und fand klare Unterschiede: Bei den Polypen prägten Eosinophile die Entzündung. Auch Makrophagen und Plasmazellen waren deutlich vermehrt, trotz der noch geringen Polypengröße.

Die Bedeutung der vermehrten Plasmazellen klärte eine Analyse des Nasensekrets bei Patienten mit akuter Sinusitis (sieben Probanden), CRS ohne Polypen (zwölf Patienten), CRS mit Polypen (13 Patienten) und sechs gesunden Probanden.

Offenbar sind sie bei Patienten mit Polypen fehlgesteuert und produzieren in der Nasenschleimhaut deshalb übermäßig viel IgE. Charakteristisches Zytokin ist nasales IL-5. Die CRS mit Polypen sei also kein fortgeschrittenes Stadium einer CRS, sondern eine echte Sonderform, so Riechelmann.

Die Entzündung sei auch der wichtigste Grund, warum das Riechepithel der Patienten nicht richtig funktioniere, sagte Riechelmann. Wie neue Studien belegen (wir berichteten), kann die topische Therapie mit Mometason (Nasonex®) sowohl die Polypen verkleinern als auch das Riechvermögen verbessern. Mometason wurde jetzt auch zur Therapie bei Nasenpolypen zugelassen.

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