Ärzte Zeitung online, 08.10.2018

Thirdhand Smoke

Auch Rauchrückstände sind giftig

Es ist nicht nur Tabakrauch, der der Lunge schadet. Auch Rauchrückstände, die sich zum Beispiel in Kleidern, Wänden, Möbeln festsetzen, sind schädlich, wie eine Pneumologin auf dem ERS-Kongress deutlich machte.

Von Veronika Schlimpert

Auch Rauchrückstände sind giftig

Für die Menschen in der Umgebung von Rauchern ist offenbar nicht nur Passivrauch schädlich, sondern auch der so genannte Thirdhand Smoke.

© zabavna / stock.adobe.com

PARIS. Als Thirdhand Smoke werden Rückstände im Tabakrauch bezeichnet, die an Oberflächen und im Staub hängenbleiben, nachdem geraucht wurde.

Die Partikel werden als Gase erneut abgesondert oder reagieren mit Oxidantien und anderen Substanzen in der Umwelt, wodurch abermals toxische Produkte entstehen können.

Diese stellen vor allem für Kinder eine Gefahr dar, zum Beispiel wenn sie über den Teppich eines Raucherhaushalts krabbeln oder Gegenstände in den Mund nehmen, die Rauch ausgesetzt waren.

Thirdhand Smoke kann über den Mund aufgenommen, inhaliert oder sogar durch die Haut absorbiert werden.

Thirdhand Smoke löst mitochondrialen Stress aus

Wie schadet Thirdhand Smoke?

Eine Exposition mit Thirdhand Smoke löst mitochondrialen Stress aus und vermindert die Proliferation von neuronalen Stammzellen.

Respiratorische Symptome nehmen mit steigender Dosis zu.

Bei Mäusen wurden unter anderem Veränderungen im Leberstoffwechsel und in der Angiogenese beobachtet sowie eine vermehre Thromboseneigung.

Wie in dem beim Kongress der European Respiratory Society (ERS) in Paris vorgestellten Review von Ana Diez-Izquierdo, International University of Catalonia in Barcelona, und Kollegen berichtet wird, löst eine solche Exposition mit Thirdhand Smoke mitochondrialen Stress aus.

Außerdem wird die Proliferation von neuronalen Stammzellen vermindert und respiratorische Symptome nehmen mit steigender Dosis zu (Environ Res. 2018 Jul 11;167:341-371).

Bei Mäusen wurden darüber hinaus Veränderungen im Leberstoffwechsel und in der Angiogenese beobachtet sowie eine vermehre Thromboseneigung. Veränderungen der Eosinophilen-, B-Zellen- und Thrombozyten-Zahlen ließen sich feststellen.

Exponierte Tiere zeigten ein hyperaktives Verhalten. Auch Mutationen in der DNA seien nach Exposition mit Third Hand Smoke nachweisbar, berichtete die spanische Wissenschaftlerin.

Insgesamt wurden in dem Review 68 Studien zu den Auswirkungen von Thirdhand Smoke ausgewertet.

Die meisten Studien konzentrierten sich auf Oberflächenrückstände von Nikotin, gefolgt von Nitrosaminen und Cotinin. Das häufigste eingesetzte Analyseverfahren war die Chromotografie mit oder ohne Massenspektrometrie.

Die Menschen sollte nach Ansicht von Diez-Izquierdo mehr über Thirdhand Smoke und dessen Folgen aufgeklärt werden. Bisher sei darüber in der Allgemeinbevölkerung nämlich wenig bekannt. Darüber hinaus hält sie es für wichtig, die Langzeitfolgen einer solchen Exposition intensiver zu untersuchen.

Quelle: ERS-Kongressdossier 2018 auf www.springermedizin.de.

Vorteile des kostenlosen LogIns

Auf unserer Webseite finden Sie tagesaktuelle Informationen aus den Themenbereichen Gesundheitspolitik, Medizin und Wirtschaft.

Über ein kostenloses LogIn erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile:

  • Mehr Analysen, Hintergründe und Infografiken
  • Exklusive Interviews
  • Praxis-Tipps zur Abrechnung und Organisation
  • Alle medizinischen Berichte lesen
  • Kommentare lesen und schreiben

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt. Weitere Infos und zum Login.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[10.10.2018, 09:17:57]
Walter Werner 
Die Erde als Giftmülldeponie
Eine gesunde Steady State Situation des menschlichen prozesshaften Lebens wird Dank der Wissensbegierde der Ärzte eine ständige überdauernde Utopie bleiben, finden sie doch ständig und immer wieder neue Bedrohungen für uns Menschen. Dass wir überhaupt noch überleben haben wir wohl den Erkenntnissen aus der Salutogenese Theorie (Aaron Antonovsky) zu verdanken, die uns aufzeigt, wie es auch weiterhin funktionieren könnte.Da bleibt uns nur übrig auf ein starkes eigenes Kohärenzgefühl zu bauen, um die statistisch zu erwartenden Lebensspannen von Mann und Frau zu erreichen. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Darum will Maria Rehborn unbedingt Landärztin werden

Studentin Maria Rehborn möchte Landärztin werden in den Bergen werden – ein Portrait. mehr »

Welches Wasser in die Nasendusche?

In unserem Trinkwasser tummeln sich viele Erreger. Forscher haben nun getestet, mit welcher Methode Nasenduschen-Wasser behandelt werden sollte, um diese abzutöten. mehr »

Die Rückkehr des Badearztes

Eine Medizinerin bringt die Region Wiesbaden ins Schwitzen: als einzige Badeärztin der Gegend. Der "Ärzte Zeitung" erklärt sie, warum sie Treppen steigen lässt statt eines EKGs – und wie sie 75 Patienten an ihrer Zunge erkannte. mehr »