Ärzte Zeitung online, 06.03.2017

Studien

Ginkgo biloba wirkt auch bei Demenz

Es gibt eine eindeutige Evidenz dafür, dass Ginkgo-biloba-Extrakt bei milden kognitiven Störungen sowie bei Demenz wirkt.

Von Thomas Meissner

WENZHOU. Ginkgo-biloba-Extrakte werden ja seit langem bei kognitiven Funktionsstörungen angewendet. Erstmals jedoch haben chinesische Wissenschaftler systematisch Metaanalysen und Reviews aus insgesamt sechs Datenbanken ausgewertet, um die Frage zu beantworten, inwiefern tatsächlich Nachweise vorliegen, wonach mit dem Pflanzenextrakt kognitive Funktionen und Symptome bei Demenz vom Alzheimer- und vom vaskulären sowie gemischten Typ verbessert werden können.

Die Antwort von Dr. Hong-Feng Zhang von der Wenzhou Medical University in Wenzhou und seinen Kollegen lautet: Ja, die Nachweise liegen vor. Aber diese Evidenz gelte nur für den Ginkgo-biloba-Extrakt EGb 761 und nur für hohe Dosen von 240 mg pro Tag (Front Aging Neurosci 2016, 8: 276).

Zhang und Mitarbeiter hatten im Web of Science, bei Pubmed sowie in vier chinesischen Datenbanken nach systematischen Reviews und Metaanalysen gesucht und aus knapp 200 Treffern zehn relevante Studien selektiert, die zwischen 2010 und 2015 publiziert worden waren.

Diese klopften sie mit einer etablierten Skala auf ihre methodische Qualität ab. Acht Studien erhielten fünf von sieben möglichen Punkten, die anderen nur vier und drei Punkte. Die Wissenschaftler kritisieren, dass zwei methodisch gute randomisierte Studien aus Deutschland (Neurosci Med 2011; 2: 48-56) und Russland (Int J Geriatr Psychiatry 2014; 29: 1087-1095) bislang in keinem Review berücksichtigt worden seien.

Darin war doppelblind und Placebo kontrolliert nachgewiesen worden, dass sich neuropsychiatrische Symptome bei Patienten mit milden und sehr milden kognitiven Beeinträchtigungen unter der Ginkgo-Therapie bessern, ebenso wie die Lebensqualität. Die Verträglichkeit des Extrakts war ebenso gut wie unter Placebo. Nach Auffassung der chinesischen Neurologen bedarf es keiner zusätzlichen Studien mehr, um die Therapie mit Ginkgo EGb 761 (enthalten in Tebonin®) bei Patienten, deren Diagnosekriterien dem DSM-5 (Diagnostic and Statistical Manual der American Psychiatric Association) entsprechen, zu untermauern.

Ob die Einnahme von Ginkgo durch gesunde Menschen präventiv wirksam ist, bleibt aufgrund unzureichender Daten offen. Diese Frage bedürfe noch weiterer Studien in verschiedenen Altersgruppen sowie entlang anerkannter diagnostischer Kriterien, so die Forscher.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So will Deutschland den Zuckerberg bezwingen

16:00 UhrZu viel und zu schlecht gekennzeichnet: Zucker versteckt sich in vielen Fertigprodukten. Das erschwert eine gesunde Ernährung. Die Politik will nun eingreifen. mehr »

Der Transgender-Trend

Paradigmenwechsel? Transsexuelle lassen sich sogar selbstbewusst für den "Playboy" ablichten. Psychiater warnen aber vor einem Geschlechtsdysphorie-Hype unter Jugendlichen. mehr »

Deshalb gibt's immer mehr Parkinsonkranke

Die absolute Zahl der weltweiten Parkinsonkranken hat sich seit 1990 mehr als verdoppelt. Forscher haben eine Vermutung, warum der Anstieg in manchen Ländern so stark ist. mehr »