Direkt zum Inhaltsbereich

Vielleicht schützt Kaffee vor Diabetes mellitus

BOSTON (ob). Ausgiebiger Kaffee-Genuß ist mit einer signifikanten Senkung des Diabetes-Risikos assoziiert. Einen entsprechenden Zusammenhang stellten Forscher jetzt bei der Analyse umfangreicher epidemiologischer Daten fest. Dennoch halten sie es für verfrüht, exzessiven Konsum des schwarzen Muntermachers ab sofort zur Diabetes-Prophylaxe zu empfehlen.

Veröffentlicht:

So ganz überraschend ist das Ergebnis der von Dr. Frank Hu und seinen Kollegen von der Harvard School in Boston in den USA vorgenommenen Auswertung nicht. Schon in einer zuvor veröffentlichten Studie (Lancet 360, 2002, 1477) mit über 17 000 Einwohnern der Niederlande waren die Untersucher auf eine ganz ähnliche Assoziation zwischen Kaffee-Konsum und Diabetes-Inzidenz gestoßen. Bei Personen, die mindestens sieben Tassen Kaffee pro Tag tranken, war in dieser Studie die Diabetes-Rate halb so hoch wie bei Personen, die sich mit maximal zwei Tassen begnügten.

Ergebnis wird kontrovers diskutiert

In der Fachwelt sorgte dieses Ergebnis für kontroverse Diskussionen. Gab es doch Anhaltspunkte dafür, daß Kaffee auf den Glukose-Metabolismus eher eine ungünstige Wirkung hat. So ist etwa bekannt, daß Koffein zumindest akut die Insulinsensitivität verringert. Andererseits enthält Kaffee Bestandteile wie etwa Magnesium oder Antioxidantien, von denen wiederum günstige Effekte ausgehen könnten.

Hu und seine Kollegen sahen sich durch die Kontroverse veranlaßt, das Ergebnis ihrer niederländischen Kollegen auf wesentlich breiterer Basis zu überprüfen. Sie haben in ihrer jetzt veröffentlichten Untersuchung (Ann Intern Med 140, 2004, 1) die Daten von 126 210 Männern und Frauen ausgewertet, die in zwei großen epidemiologischen Studien erfaßt worden waren.

Über einen Zeitraum von bis zu 18 Jahren sind bei diesen Personen in regelmäßigen Abständen auch Angaben zum Kaffee-Konsum eingeholt worden. In Abhängigkeit von diesem Konsum ist dann die Diabetes-Inzidenz - 5418 neue Diabetes-Patienten wurden im Beobachtungszeitraum registriert - analysiert worden.

Risiko-Reduktion bei Männern besonders deutlich

Ergebnis auch hier: Je mehr Kaffee regelmäßig getrunken wurde, um so geringer war die Diabetes-Rate. So gab es bei Vieltrinkern (mehr als sechs Tassen pro Tag) im Vergleich zu Nicht-Kaffeetrinkern eine nur halb so hohe Diabetes-Rate. Die inverse Beziehung zwischen Kaffeekonsum und Diabetes-Entwicklung war bei Männern stärker als bei Frauen, jedoch in beiden Fällen auch nach Berücksichtigung anderer möglicher Einflußfaktoren statistisch signifikant.

Trotz aller Bemühungen, dem Einfluß anderer Risikofaktoren wie Übergewicht oder Bewegungsarmut analytisch gerecht zu werden, ist nicht auszuschließen, daß etwa unterschiedliche Lebensgewohnheiten von Kaffee-Genießern und Nicht-Kaffeetrinkern unentdeckt geblieben sind. Ein generelles Plädoyer für vermehrten Kaffee-Konsum wäre deshalb nach Ansicht der Studienautoren verfrüht. Zunächst bedürfe es weiterer Studien.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Medikamentenstudie

Risiko für Ketoazidose steht oft nicht im Beipackzettel

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Herzinsuffizienz

Erste klinische Studie belegt Wirksamkeit des Herzpflasters

Sie fragen – Experten antworten

Noch impfen nach einer RSV-Erkrankung?

Änderungen aus dem GOLD-Update

Neues Vorgehen bei COPD: Proaktiv statt reaktiv!

Lesetipps
Ein Arzt hält ein Model des männlichen Geschlechtstraktes und zeigt mit einem Stift auf die Prostata.

© Peakstock / stock.adobe.com

Cochrane-Review

Prostatakrebs: Wie ist denn nun die Evidenz des PSA-Screenings?

Modell des Darms

© SewcreamStudio / Stock.adobe.com

FODMAP, Hypnose, Stuhltransfer

Diese Interventionen helfen beim Reizdarmsyndrom

Die Ärzte Zeitung ist jetzt auch auf Instagram aktiv.

© prima91 / stock.adobe.com

Social Media

Folgen Sie der Ärzte Zeitung auf Instagram