Ärzte Zeitung, 14.11.2006

THERAPIE-STANDARD

Basis der Therapie sind Ernährung und Bewegung

Nicht-medikamentöse Maßnahmen reichen allein meist nicht aus / Ziel der Therapie ist ein HbA1cbis 6,5 Prozent

Ernährungs- und Bewegungstherapie sind die Grundlagen der Behandlung bei Typ-2-Diabetes. Ziel ist ein HbA1c bis 6,5 Prozent. Im Verlauf der Krankheit reichen nicht-medikamentöse Maßnahmen aber allein meist nicht aus.

In Schulungen lernen Diabetiker den Blutzucker zu messen und die Insulindosis an die Werte anzupassen. Foto: AOK-Mediendienst

Liegt der HbA1c-Wert nach drei Monaten noch über sieben Prozent, ist eine Pharmakotherapie indiziert. Mit einer oralen Monotherapie wird der HbA1c im Mittel um einen Prozentpunkt gesenkt. Dafür gibt es: Sulfonylharnstoffe und die Glinide Repaglinid (NovoNorm®) und Nateglinid (Starlix®), die die noch vorhandene Insulin-Sekretion steigern, zudem die Glitazone Pioglitazon (Actos®) und Rosiglitazon (Avandia®), das Biguanid Metformin und die alpha-Glukosidase-Hemmer Acarbose (Glucobay®) und Miglitol (Diastabol®), die alle nicht-insulinotrop wirken.

Nicht-ausreichende Therapie ist nach drei Monaten anzupassen

Reicht die orale Monotherapie nicht aus, sollte nach drei Monaten die Therapie angepaßt werden. Bei schweren Entgleisungen wird Insulin empfohlen, meist wird jedoch ein zweites orales Antidiabetikum hinzugefügt. Dabei sollten sich verschiedene Wirkprinzipien ergänzen. Es hat sich bewährt, bei Patienten, bei denen mit Metformin die Zielwerte nicht erreicht werden, ein Sulfonylharnstoff- oder ein Glinid-Präparat hinzuzugeben.

Als Alternative kann auch Acarbose oder ein Glitazon in Kombination mit Metformin verwendet werden. Kombi-Präparate mit Rosiglitazon/Metformin (Avandamet®) Pioglitazon/Metformin (competact®) und Rosiglitazon/Glimepirid (Avaglim®) sind auf dem Markt.

Bei Patienten, die primär mit einer Monotherapie mit einem Sulfonylharnstoff-Präparat oder einem Glinid eingestellt waren, kommt als Kombipartner zunächst Metformin in Frage. Zudem werden auch Glitazone oder alpha-Glukosidase-Hemmer als Kombipräparate eingesetzt. Beim Versagen einer oralen Doppeltherapie wird zur Insulintherapie geraten.

Bei Insulinanaloga ist die Hypoglykämie-Gefahr reduziert

Bei zu hoher Nüchternglukose gibt es zur basalen Versorgung etwa NPH (Neutral Protamin Hagedorn)-Verzögerungsinsuline oder die langwirksamen Analoga Insulin glargin (Lantus®) und Insulindetemir (Levemir®). Bei den langwirksamen Analoga (Insulin glargin etwa 24 Stunden, Insulindetemir etwa 24 Stunden) ist im Vergleich zu NPH-Insulin, das einen Gipfel bei vier bis sechs Stunden hat, das Wirkprofil deutlich flacher. Dadurch ist unter anderem die nächtliche Hypoglykämie-Gefahr reduziert.

Ein Basalinsulin vorm Schlafengehen kann die orale Medikation ergänzen und Nüchternwerte bessern. Spitzen nach dem Essen dämpfen Normalinsuline, das inhalative Insulin (Exubera®) und die schnellen Analoga Insulin lispro (Humalog®, Liprolog®), Insulinaspart (Novo Rapid®) sowie Insulin glulisin (Apidra®). (Rö/eis)

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