Ärzte Zeitung, 29.11.2012

Kommentar zur Gendermedizin

Eine andere Wahrnehmung

Von Anno Fricke

Was haben Prävention und geschlechtsspezifische Versorgungsforschung miteinander zu tun? Die Antwort lautet: viel! Die Schnittmenge ist groß. Die Zahl der Akteure, die darauf einwirken kann, ebenfalls. Sie reicht vom Gesundheitsministerium über die Hersteller von Arzneien bis zu den Ärzten.

Die Regierung, die sich die Förderung der Prävention groß auf die Fahnen geschrieben hat, dem aber kaum Taten folgen lässt, könnte schnell handeln. Sie könnte die Verordnung zu klinischen Arzneimittelstudien dahingehend ändern, dass die Daten geschlechtsspezifisch ausgewertet werden müssten.

Ärzte in den Praxen und Kliniken dächten bei der Verordnung von Arzneien zu selten daran, dass der weibliche Körper Arzneien anders verstoffwechselt, beklagen Gendermediziner. Aus einer Änderung der Verordnung ergäben sich Konsequenzen für die Arzneimittelhersteller, die auf den Packungen Dosierungsempfehlungen für Frauen und Männer getrennt angeben sollten.

Ärzte wiederum könnten ihre Wahrnehmung schärfen. Noch sorgen Stereotype in den Köpfen der Ärzte dafür, dass Herzinfarkte bei Frauen häufiger übersehen werden. Schlicht deshalb, weil sie die Symptome anders empfinden und schildern als Männer.

Lesen Sie dazu auch:
Im Vergleich zu Männern: Frauen-Herzen schmerzen anders

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Diese Aspekte schinden den Körper von Astronauten

Die Forschung auf der ISS liefert wichtige Erkenntnisse, ist aber Schwerstarbeit für den Organismus. Was passiert dabei mit dem Körper genau – und wozu das Ganze? mehr »

GBA warnt Spahn vor GKV-Systembruch

Der Versuch von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Bewertungsverfahren im Gemeinsamen Bundesausschuss zu umgehen, stößt auf massive Gegenwehr – nicht nur im GBA. mehr »

§219a – Eine Reform und ihr Preis

Nach dem Beschluss im Bundestag, dürfen Ärzte künftig darüber informieren, dass sie Abtreibungen anbieten. Doch glücklich ist mit dem Kompromiss niemand. Auch nicht mit der Studie zu den Folgen einer Abtreibung. mehr »