Grapefruit

Saft mit Wechselwirkung

Immer mehr Medikamente haben Wechselwirkungen mit Grapefruitsaft. Weil die Arzneien dadurch nicht metabolisiert werden, steigt die Gefahr von Überdosierungen. Vor allem alte Menschen sind gefährdet.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
Wirkstoffe aus Grapefruits können zusammen mit einigen Arzneimitteln gefährliche Wechselwirkungen auslösen. Mögliche Folgen sind Tachykardien, Rhabdomyolysen oder Nierenschäden. Patienten müssen das wissen.

Wirkstoffe aus Grapefruits können zusammen mit einigen Arzneimitteln gefährliche Wechselwirkungen auslösen. Mögliche Folgen sind Tachykardien, Rhabdomyolysen oder Nierenschäden. Patienten müssen das wissen.

© Kasia Bialasiewicz/Fotolia.com

LONDON/ONTARIO. Von mehr als 85 Arzneimitteln ist bekannt, dass sie mit Bestandteilen in Grapefruitsaft interagieren.

Bei 43 Präparaten kann es durch die Wechselwirkung zu schweren Nebenwirkungen kommen, berichten Dr. David G. Bailey von der University of Western Ontario und Kollegen; der kanadische Forscher hatte vor über zwei Dekaden solche Interaktionen entdeckt (CMAJ 2012; online 26. November).

Am besten dokumentiert ist, dass Inhaltsstoffe des Safts das Enzym Cytochrom P450 3A4 (CYP3A4) vor allem im Dünndarm hemmen. Metabolite von Furanokumarinen aus Grapefruits binden irreversibel an das Enzym und schränken so dessen Aktivität stark ein.

Dadurch werden manche Arzneimittel nicht mehr metabolisiert. Es kommt zu höheren Konzentrationen als beabsichtigt.

Betroffen sind nur orale Arzneien

Die betroffenen Arzneimittel werden alle durch CYP3A4 verstoffwechselt; weitere Kennzeichen sind eine orale Applikation und eine sehr niedrige (unter 10 Prozent) oder mittlere orale Bioverfügbarkeit (30 bis 70 Prozent).

In den meisten Fällen seien diese Angaben in den Fachinformationen enthalten, so die Forscher. Wechselwirkungen seien bereits durch einmal 200 ml Grapefruitsaft möglich. Je öfter der Saft getrunken wird, um so stärker ist die Interaktion.

Wird über sechs Tage dreimal täglich 250 ml Grapefruitsaft getrunken, dann ist die Bioverfügbarkeit einer einfachen Felodipindosis fünfmal höher als wenn nur Wasser getrunken wird. Patienten sind dadurch umso stärker gefährdet, je höher die CYP3A4-Konzentration im Dünndarm ist.

Am anfälligsten für die Interaktionen sind Patienten über 70, wie die Forscher herausgefunden haben. Bei diesen Patienten ist im Gegensatz zu jungen Patienten die Fähigkeit verringert, erhöhte Arzneimittelkonzentrationen zu kompensieren.

Möglich sind Rhythmusstörungen

Bailey und seine Kollegen erläutern das am Beispiel von Felodipin. Bei Älteren kommt es nach der Einnahme des Blutdrucksenkers mit Grapefruitsaft nicht wie bei jungen Patienten zu einem kompensatorischen Anstieg der Herzschlagfrequenz.

Ein Grund könne die aufgrund des Alters verringerte Sensitivität der Barorezeptoren sein.

Schwere Nebenwirkungen aufgrund der Wechselwirkung von Grapefruitsaft und Arzneien können zum Beispiel chaotische ventrikuläre Tachykardien (Torsade de pointes) etwa bei Therapie mit Amiodaron oder Tyrosinkinasehemmern sein, aber auch eine Rhabdomyolyse bei der Therapie mit manchen Statinen.

Auch zur Schädigung der Nieren kann es etwa bei Patienten kommen, die nach einer Transplantation Calcineurinhemmer zur Immunsuppression erhalten und reichlich Saft trinken.

Infos zu Arzneimittel-Wechselwirkungen unter www.drugs.com

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Vermeidbare Katastrophen

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Patienten könnten trotzdem profitieren

Studie: Metformin bei metastasiertem Prostatakrebs nicht lebensverlängernd

Fallstricke in der Praxis

Häufige Fehler in der Hypertonie-Therapie: So geht’s besser!

EMA-Hinweis

Rote-Hand-Brief zu Arixtra (Fondaparinux Natrium)

Das könnte Sie auch interessieren
Welche Rolle spielt Zink?

© Tondone | AdobeStock

Immunsystem unterstützen:

Welche Rolle spielt Zink?

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Impf- und Zinkstatus im Blick

© Wörwag Pharma | KI-generiert

Bei Risikogruppen:

Impf- und Zinkstatus im Blick

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

© artemidovna | AdobeStock

Ernährungsfallen:

Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Sie fragen – Experten antworten

Ab wann darf ich jüngere Menschen auf Kasse gegen Herpes zoster impfen?

Prozesse werden teurer

Tipps: So können Praxen die Risiken für einen GOÄ-Streit minimieren

Bei Senioren

Hypothermie bei Sepsis – ein Warnsignal!

Lesetipps
Eine Blutdruckmessung

© CasanoWa Stutio / stock.adobe.com

Fallstricke in der Praxis

Häufige Fehler in der Hypertonie-Therapie: So geht’s besser!

Ein Mann im Hintergrund nimmt einen Schluck von einem Drink. Im Vordergrund stehen vier Flaschen mit alkoholischen Getränken.

© Axel Bueckert / stock.adobe.com

Analyse des Trinkverhaltens

Wie lebenslanger Alkoholkonsum das Darmkrebsrisiko steigert