Ärzte Zeitung, 10.12.2015

Kardiomyopathie

Wer erleidet plötzlichen Herztod?

Hypertrophe Kardiomyopathie: Eine internationale Studie sucht nach einer besseren Risikoeinschätzung für den plötzlichen Herztod.

BERLIN. Eine der häufigsten Ursachen für plötzlichen Herztod bei jungen Menschen ist eine genetisch bedingte Erkrankung, die "hypertrophe Kardiomyopathie" (HCM), teilt das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin mit.

"Bei einer HCM kann der Herzmuskel um mehr als das Vier- bis Fünffache verdickt sein, und die Muskulatur durch vernarbtes - so genanntes fibrotisches Gewebe - verändert sein", wird Professor Jeanette Schulz-Menger, Leiterin der Hochschulambulanz für Kardiologie am Experimental and Clinical Research Center (ECRC) des MDC und der Charité - Universitätsmedizin Berlinund Leiterin der Arbeitsgruppe Kardio-MRT in Kooperation mit dem HELIOS Klinikum Berlin-Buch, in der Mitteilung zitiert.

Das könne die Entstehung von Herzrhythmusstörungen begünstigen und das Risiko für einen plötzlichen Herztod erhöhen.

Immerhin einer von 500 Menschen besitzt Erbanlagen für die HCM. Aber nur zwei bis drei Prozent der Patienten erleiden wirklich einen plötzlichen Herztod.

"Die Risikoeinschätzung ist heute noch sehr schwierig. Denn das Gefährdungspotenzial lässt sich nicht ausschließlich am Grad der Verdickung des Herzmuskels messen", sagt Schulz-Menger.

"Auch HCM-Patienten ohne sichtbare Verdickung sind gefährdet. Es spielen zum Beispiel auch die Erbanlagen und weitere bislang noch unbekannte Faktoren eine Rolle."

Internationale Studie mit 2750 Patienten

Welche das sind und wie sie genau zusammenspielen, soll nun eine groß angelegte internationale Studie mit 2750 HCM-Patienten klären. Mit Hilfe genetischer Tests, Blutuntersuchungen sowie moderner bildgebender Verfahren wie MRT wird nach aussagekräftigen Risikofaktoren gefahndet, heißt es in der Mitteilung des MDC.

Insgesamt sind 42 Forschungsstandorte aus den USA, Großbritannien, Kanada und Europa an der Studie beteiligt. Schulz-Menger übernimmt mit ihrem Team die Leitung der klinischen Prüfung für die an der Studie beteiligten deutschen Forschungseinrichtungen mit MRT-Expertise.

Die so genannte HCMR-Studie (HCMR - Neue Prognosemarker bei Hypertropher Kardiomyopathie) wird durch die National Institutes of Health (NIH) finanziert.

"Das ist die bislang größte und wichtigste Studie zur hypertrophen Kardiomyopathie, die die Therapie und Prognose von HCM-Patienten in Zukunft deutlich verbessern wird", sagt Schulz-Menger.

"Unser Ziel ist es, mit der Kombination verschiedenster Verfahren, Patienten mit hohem Risiko für den plötzlichen Herztod zu erkennen, um diese in Zukunft besser und beraten und behandeln zu können - und so das individuelle Risiko für plötzlichen Herztod zu minimieren."

Es werden noch Studienteilnehmer gesucht, wie das MDC mitteilt. Patienten im Alter zwischen 18 und 65 Jahren mit bestätigter hypertropher Kardiomyopathie (HCM) oder Verdacht auf diese Erkrankung können sich noch bis April 2016 melden und an der Studie teilnehmen. (eb)

Mehr Infos zur Studie unter: www.hochschulambulanz-charite-buch.de/hochschulambulanzen/kardiologie

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Stromstimulation hilft Gedächtnis auf die Sprünge

US-Forscher haben mit einer speziellen Wechselstromstimulation das Arbeitsgedächtnis von über 60-Jährigen auf das Niveau von 20-Jährigen gehoben – zumindest für kurze Zeit. mehr »

Aufklärung alleine verpufft

Nicht nur zu Ostern locken Schokolade und Co.: Laut DONALD-Studie liegt der Zuckerverzehr gerade bei Kindern und Jugendlichen noch immer über der WHO-Empfehlung. Forscher sehen hier die Politik in der Pflicht. mehr »

Länger geguckt, eher gekauft

Menschen treffen irrationale Kaufentscheidungen, so eine Studie: Allein eine lange Betrachtungsdauer lässt Personen eher zugreifen – selbst, wenn das Produkt schlecht ist. mehr »