Kardiomyopathie

Wer erleidet plötzlichen Herztod?

Hypertrophe Kardiomyopathie: Eine internationale Studie sucht nach einer besseren Risikoeinschätzung für den plötzlichen Herztod.

Veröffentlicht:

BERLIN. Eine der häufigsten Ursachen für plötzlichen Herztod bei jungen Menschen ist eine genetisch bedingte Erkrankung, die "hypertrophe Kardiomyopathie" (HCM), teilt das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin mit.

"Bei einer HCM kann der Herzmuskel um mehr als das Vier- bis Fünffache verdickt sein, und die Muskulatur durch vernarbtes - so genanntes fibrotisches Gewebe - verändert sein", wird Professor Jeanette Schulz-Menger, Leiterin der Hochschulambulanz für Kardiologie am Experimental and Clinical Research Center (ECRC) des MDC und der Charité - Universitätsmedizin Berlinund Leiterin der Arbeitsgruppe Kardio-MRT in Kooperation mit dem HELIOS Klinikum Berlin-Buch, in der Mitteilung zitiert.

Das könne die Entstehung von Herzrhythmusstörungen begünstigen und das Risiko für einen plötzlichen Herztod erhöhen.

Immerhin einer von 500 Menschen besitzt Erbanlagen für die HCM. Aber nur zwei bis drei Prozent der Patienten erleiden wirklich einen plötzlichen Herztod.

"Die Risikoeinschätzung ist heute noch sehr schwierig. Denn das Gefährdungspotenzial lässt sich nicht ausschließlich am Grad der Verdickung des Herzmuskels messen", sagt Schulz-Menger.

"Auch HCM-Patienten ohne sichtbare Verdickung sind gefährdet. Es spielen zum Beispiel auch die Erbanlagen und weitere bislang noch unbekannte Faktoren eine Rolle."

Internationale Studie mit 2750 Patienten

Welche das sind und wie sie genau zusammenspielen, soll nun eine groß angelegte internationale Studie mit 2750 HCM-Patienten klären. Mit Hilfe genetischer Tests, Blutuntersuchungen sowie moderner bildgebender Verfahren wie MRT wird nach aussagekräftigen Risikofaktoren gefahndet, heißt es in der Mitteilung des MDC.

Insgesamt sind 42 Forschungsstandorte aus den USA, Großbritannien, Kanada und Europa an der Studie beteiligt. Schulz-Menger übernimmt mit ihrem Team die Leitung der klinischen Prüfung für die an der Studie beteiligten deutschen Forschungseinrichtungen mit MRT-Expertise.

Die so genannte HCMR-Studie (HCMR - Neue Prognosemarker bei Hypertropher Kardiomyopathie) wird durch die National Institutes of Health (NIH) finanziert.

"Das ist die bislang größte und wichtigste Studie zur hypertrophen Kardiomyopathie, die die Therapie und Prognose von HCM-Patienten in Zukunft deutlich verbessern wird", sagt Schulz-Menger.

"Unser Ziel ist es, mit der Kombination verschiedenster Verfahren, Patienten mit hohem Risiko für den plötzlichen Herztod zu erkennen, um diese in Zukunft besser und beraten und behandeln zu können - und so das individuelle Risiko für plötzlichen Herztod zu minimieren."

Es werden noch Studienteilnehmer gesucht, wie das MDC mitteilt. Patienten im Alter zwischen 18 und 65 Jahren mit bestätigter hypertropher Kardiomyopathie (HCM) oder Verdacht auf diese Erkrankung können sich noch bis April 2016 melden und an der Studie teilnehmen. (eb)

Mehr Infos zur Studie unter: www.hochschulambulanz-charite-buch.de/hochschulambulanzen/kardiologie

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Die Niere hält nicht ewig stand

© Astra Zeneca

ckd-erkennen.de

Die Niere hält nicht ewig stand

Anzeige | AstraZeneca GmbH
Katheterlabor: Die perkutane Koronarintervention (PCI) muss mittels Röntgen überwacht werden. Das bedeutet eine erhöhte Strahlenbelastung des Personals (Symbolbild mit Fotomodellen).

© Hans Wiedl / zb / picture alliance

Sicherheit für Kardiologen

Mit Roboter weniger Strahlenbelastung bei perkutanen Koronarinterventionen

Neue Erkenntnisse zur Therapie der Herzinsuffizienz

kardiologie.org

Neue Erkenntnisse zur Therapie der Herzinsuffizienz

Anzeige | Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG Deutschland und Lilly Pharma Deutschland
Neue Therapiekonzepte bei chronischer Herzinsuffizienz

kardiologie.org

Neue Therapiekonzepte bei chronischer Herzinsuffizienz

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Plenardiskussion beim Hauptstadtkongress 2022: „Frauen machen Gesundheit, Männer führen: Wo bleibt Female Empowerment?“ Es diskutierten (von links:) Dr. Christiane Stehle, Tanja Heiß, Emily Troche, Moderatorin Katharina Lutermann, Dr. Susan Niemeyer, Frederike Gramm, Oberin Doreen Fuhr.)

© Rolf Schulten

Wenige weibliche Führungskräfte

Wie kommt das Gesundheitswesen zu mehr Chefinnen?