Ärzte Zeitung online, 10.04.2018

US-Studie

Mit Musik geht alles besser – auch beim Belastungs-EKG

Patienten mit geplantem kardialem Ergometertest zeigten eine höhere körperliche Belastbarkeit, wenn sie während des Tests mit flotter Musik beschallt wurden, ergab ein randomisierter Vergleich mit Patienten ohne musikalische Antriebshilfe.

Von Peter Overbeck

Mit Musik geht alles besser – auch beim Belastungs-EKG

Beschallung des Patienten mit rhythmusbetonter Musik erhöht die Belastungszeit beim EKG. Diese Maßnahme könnte sich auch im Alltagsleben lohnen, vermuten die Forscher.

© Nyu / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodellen)

ORLANDO. Musik kann bekanntlich Balsam für die Seele sein. Je nach Musikart löst sie unterschiedliche Stimmungen aus. Dass rhythmusbetonte Musik "in die Beine geht" und den Bewegungsdrang aktiviert, dürfte tanzfreudigen Menschen bestens bekannt sein. Viele Jogger absolvieren ihr Laufpensum mit Stöpseln in den Ohren, über die sie sich musikalische Antriebskraft zuführen.

Studie mit 127 Patienten

Das Ergebnis einer randomisierten Studie von US-Untersuchern, wonach die Absolventen eines kardialen Belastungstests mit beschwingter Musikuntermalung mehr Leistung erbrachten als ohne, dürfte somit nicht für Verblüffung sorgen. Aber immerhin kann das, was man intuitiv wohl erwartet hätte, nun als mit wissenschaftlichen Daten belegbar gelten. Ihre für die Präsentation beim Kongress des American College of Cardiology (ACC 67th Annual Scientific Session 2018) in Orlando im US-Bundesstaat Florida vorgesehene Studie hatten die Autoren auf einer Pressekonferenz bereits im Vorfeld der ACC-Tagung vorgestellt.

Für ihr Experiment konnte die Gruppe um Dr. Waseem Shami von der Texas Tech University in El Paso insgesamt 127 Patienten gewinnen, bei denen ein routinemäßiges Standard-Belastungs-EKG (Bruce-Protokoll) geplant war (JACC 2018; 71(11): Supplement). Nach randomisierter Zuteilung zu zwei Gruppen wurden die mit Kopfhörern ausgestatteten Probanden während des Belastungstests entweder mit Musik beschallt – dargeboten wurden überwiegend rhythmusbetonte Songs im Latino-Stil – oder ohne Musikuntermalung auf ihre kardiale Belastungsfähigkeit ergometrisch getestet. Auch das anwesende medizinische Personal trug zwecks "Verblindung" ausnahmslos Kopfhörer.

Längere Belastungszeit

Das nicht ganz überraschende Ergebnis: In der Gruppe der Patienten mit musikalischer Unterstützung war die gemessene Belastungszeit signifikant um nahezu eine Minute (50,6 Sekunden) länger als in der Kontrollgruppe ohne Beschallung (505,8 versus 455,2 Sekunden, p= 0,045).

Wie die US-Forscher berichtet haben, waren die Ergebnisse in der Musik-Gruppe auch in puncto Energieverbrauch – gemessen als Metabolisches Äquivalent (MET) – tendenziell besser (9,45 versus 8,67 MET, p=0.094).

Als Limitierung ihrer Studie werten die Autoren allerdings die Tatsache, dass die Testpersonen eine ihnen genehme Musik nicht selbst auswählen durften. Studienleiter Shami und seine Kollegen glauben, dass ihre Ergebnisse auch über den Kontext eines Ergometertests hinaus von allgemeinerer Bedeutung sind.

Musik zur Unterstützung

Demnach könnte Musik ein förderliches Hilfsmittel sein, um Menschen dabei zu unterstützen, die Empfehlungen zur regelmäßigen körperlicher Bewegung im Alltag besser umzusetzen. Vielleicht sollten Ärzte dieses Hilfsmittel gleich in ihre Empfehlungen mit einschließen, so das Resümee der Autoren.

Ergebnisse der EKG-Studie

» In der Musik-Gruppe war die gemessene Belastungszeit signifikant um nahezu eine Minute länger als in der Kontrollgruppe ohne Beschallung (505,8 versus 455,2 Sekunden).

» In puncto Energieverbrauch waren die Ergebnisse in der Musik-Gruppe tendenziell besser als in der Kontrollgruppe.

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