Erhöhtes Troponin

Nicht gleich ins Katheterlabor

Ein erhöhter Troponin-I-Wert ist ein Hinweis auf ein akutes Koronarsyndrom. Doch es gibt noch mehr Erkrankungen, die ihn in die Höhe treiben.

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DAVIS. In einer US-Studie wurde bei nur 11 Prozent der Patienten mit leicht erhöhtem Troponin I und ohne Infarktsymptomatik eine KHK nachgewiesen. Alle anderen litten vorwiegend an Erkrankungen im Zusammenhang mit Flüssigkeits- und Drucküberlastungen.

Jedem zweiten Patienten in den USA wird während eines Klinikaufenthaltes ein Troponintest verordnet. Dies spiegelt die aktuelle Popularität des Biomarkers wider. Das kardiale Troponin I (cTnI) stellt eine Untereinheit des Regulatorproteins Troponin dar und wird bei kardialen Gewebeschäden freigesetzt.

Als sensitiver Indikator einer myokardialen Nekrose ist er etwa im Schnelltest hilfreich bei der Diagnose des Myokardinfarktes. Doch der Wert fällt auch bei Patienten mit anderen Erkrankungen häufig positiv aus, was zu diagnostischen Fehleinschätzungen führen kann.

Benjamin Stripe und Kollegen von der University of California haben sich Patienten mit leicht erhöhten cTnI-Werten genauer angesehen.

In einer retrospektiven Kohortenstudie wurden 140 Patienten ab 18 Jahren ohne klinische Anzeichen für ein akutes Koronarsyndrom analysiert, bei denen bis 30 Tage vor einer Koronarangiografie ein cTnI-Wert zwischen 0,05 und 2,0 ng / ml festgestellt worden war (JAMA Intern Med 2013; 173: 2088-2090).

Als primärer Endpunkt der Studie war das Vorhandensein einer koronaren Herzkrankheit (KHK) definiert, sekundäre Endpunkte waren die Revaskularisation durch perkutane Koronarintervention oder koronare Bypass-Operation.

Nur bei 11 Prozent der Probanden mit erhöhtem Troponin-I-Wert konnte per Herzkatheter eine KHK bestätigt werden. Keiner dieser Patienten war jünger als 49 Jahre, sie litten gehäuft unter Synkopen oder neu aufgetretenen Arrhythmien. In der Regressionsanalyse wurde zudem ein Zusammenhang zwischen der KHK und dem Schlaganfallrisiko gesehen.

Bei den 124 Probanden mit erhöhtem Troponin I, bei denen keine KHK festgestellt wurde, fand sich überwiegend eine kongestive Herzinsuffizienz (58,9 Prozent). Insgesamt litten 81,5 Prozent der Patienten an Erkrankungen aus dem Bereich der Druck- und Volumenüberlastung wie Herzinsuffizienz, Hypertonie, Lungenhochdruck, hypertropher Kardiomyopathie oder signifikanten Aortenklappenerkrankungen.

Es sei dringend erforderlich, so die Autoren, Patienten mit nur gering erhöhtem Troponin und ohne klinische Anzeichen für ein akutes Koronarsyndrom unnötige Untersuchungen zu ersparen.

Bevor man also einen Patienten mit erhöhtem Troponin zur Herzkatheteruntersuchung schickt, sollte sowohl die geringe Vorhersagewahrscheinlichkeit des Troponin I für die KHK berücksichtigt werden als auch die Tatsache, dass bei den wenigsten Patienten mit erhöhtem Troponin tatsächlich eine KHK nachgewiesen werden kann. (ST)

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