Ärzte Zeitung, 15.01.2008

Frequenzkontrolle bei Vorhofflimmern reicht oft

Kardioversion ist eine Option bei schlecht einstellbarer Frequenz oder bei erheblichen Symptomen

MÜNCHEN (wst). Wenn bei Patienten mit Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern keine adäquate Frequenzkontrolle erreicht wird, kann eine Kardioversion erwogen werden. Sie ist weiterhin indiziert, wenn die Patienten Symptome durch Vorhofflimmern haben.

Diese Konsequenzen hat Professor A. Schuchert aus Neumünster aus den Ergebnissen der AF/CHF×-Studie gezogen, die beim Kardiologenkongress AHA in Orlando in Florida Ende 2007 vorgestellt worden sind. Befinden sich die Patienten in einem stabilen Zustand und ist ihre Frequenz in Ruhe und bei Belastung gut eingestellt, dann ist nach den aktuellen Daten eine Kardioversion nicht indiziert.

Über die Studie hat Schuchert auf dem vom Unternehmen MSD unterstützten "Kardiologen Forum 2007" in München berichtet. In dieser prospektiven US-amerikanisch-europä- ischen Studie wurden 1376 Patienten mit Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern zwischen Mai 2001 und Juni 2005 randomisiert in zwei Gruppen aufgeteilt.

Die linksventrikuläre Auswurffraktion lag unter 35 Prozent oder unter 25 Prozent bei asymptomatischen Patienten. Bei der einen Hälfte wurde eine bestmögliche Frequenzkontrolle mit Betablockern, Digitalis und - falls notwendig - auch mit Schrittmacherimplantation sowie AV-Knotenablation angestrebt. Bei der anderen Hälfte wurde primär eine Rhythmuskontrolle versucht. Gelang dies nicht mit antiarrhythmischen Arzneien - allen voran Amiodaron - allein, wurde eine elektrische Kardioversion gemacht. Bei Bedarf bestand auch die Möglichkeit zu weiteren Interventionen wie atrialen Katheterablationen. Die Behandlung gegen die Herzinsuffizienz war in beiden Gruppen optimal.

Trotz des erheblichen Mehraufwandes für die Rhythmuskontrolle schnitt die entsprechend therapierte Gruppe bei der kardiovaskulären Mortalität als primärem Endpunkt in bis zu fünf Beobachtungsjahren nicht besser ab als die nur frequenzkontrollierte Vergleichsgruppe (27  versus. 25 Prozent).

Auch in den sekundären Endpunkten Gesamtsterberate, Verschlechterung der Herzinsuffizienz, Schlaganfall und der Kombination aller Endpunkte wurde kein Erfolgsunterschied zwischen den beiden Behandlungsstrategien offensichtlich.

×AF/CHF-Studie: The Atrial Fibrillation and Congestive Heart Failure Trial

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »