Direkt zum Inhaltsbereich

Schützendes Lycopin

Tomatensaft gegen Schlaganfall?

Vielleicht sollte man nicht nur im Flugzeug Tomatensaft trinken: Forscher glauben jetzt entdeckt zu haben, weshalb Obst und Gemüse vor Schlaganfall schützen. So soll vor allem der Radikalfänger Lycopin, der in Tomaten vorkommt, die Hirngefäße frei halten.

Veröffentlicht:
Roter Saft beim Fliegen: Schutz gegen Schlaganfall?

Roter Saft beim Fliegen: Schutz gegen Schlaganfall?

© Arnulf Hettrich / imago

KUOPIO (mut). Wer sich gesund ernährt, viel Obst und Gemüse konsumiert und zugleich eher wenig Fleisch, Fett und Zucker, der hat ein deutlich geringeres Risiko für viele Erkrankungen - das wird weitgehend akzeptiert.

Unklar ist jedoch, welcher Anteil auf den Konsum von Grünzeug und welcher Anteil auf den Verzicht von tierischem Fett und Zucker entfällt. Auch wird darüber gestritten, welche Bestandteile in Obst und Gemüse die segensreichen Wirkungen entfalten.

So wurde immer wieder versucht, für antioxidative Vitamine und Radikalfänger eine Bedeutung beim Gefäßschutz nachzuweisen - häufig mit widersprüchlichen Ergebnissen.

Einen neuen Versuch haben nun Forscher aus Kuopio in Finnland unternommen. Sie bestimmten die Serumspiegel einer Reihe von Antioxidantien bei insgesamt 1031 finnischen Männern im Alter zwischen 46 und 65 Jahren (Neurology 2012; 79: 1540-1547).

Die Männer wurden anschließend zwölf Jahre lang regelmäßig medizinisch untersucht. In diesem Zeitraum ereigneten sich bei ihnen 67 Schlaganfälle, davon waren 50 ischämische Insulte.

Die Forscher um Dr. Jouni Karppi setzten nun die Serumwerte von Alpha-Karotin, Beta-Karotin, Alpha-Tocopherol, Retinol und Lycopin in Beziehung zur Schlaganfallrate.

Studie mit Manko

Signifikante Unterschiede gab es dabei nur beim Lycopinspiegel: Bei den Studienteilnehmern ohne Schlaganfall lag dieser zu Beginn im Schnitt bei 0,16 Mikromol pro Liter, dagegen waren es bei denjenigen, die im Lauf der Studie einen Schlaganfall erlitten, nur 0,11 Mikromol pro Liter.

Wurden weitere Schlaganfall-Risikofaktoren wie Alter, BMI, Blutdruck, Rauchen, LDL-Wert und Diabetes berücksichtigt, so ergab sich für das Quartil mit den höchsten Lycopinwerten eine 55 Prozent niedrigere Schlaganfallrate als für die Männer im Quartil mit den niedrigsten Werten. Bezogen auf ischämische Schlaganfälle war die Rate sogar um 59 Prozent niedriger.

Ein Manko der Studie ist allerdings die geringe Zahl der Schlaganfälle - das könnte das Ergebnis verzerrt haben. Zudem könnte Lycopin auch nur ein Marker für einen bestimmten Ernährungsstil sein und nicht unbedingt selbst ein Schutzfaktor.

Dafür, dass Lycopin aber tatsächlich den Gefäßen gut tut, spreche die hochpotente antioxidative Aktivität, schreiben Karppi und Mitarbeiter. Die Substanz sei besser als andere Antioxidantien geeignet, schädlichen Singulett-Sauerstoff zu binden.

Wichtigste Lycopinquelle sind Tomaten. Tomatensaft enthält bis zu 100 mg/kg Lycopin, Ketchup 125 mg/kg. Dem höchsten Lycopingehalt hat jedoch die vor allem in Vietnam verwendete Gac-Frucht: Sie enthält über 2000 mg/kg des Antioxidans.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Empfehlungen für die Therapie

So holen Sie Ihre Patienten aus der Post-Stroke-Depression

Das könnte Sie auch interessieren
Welche Rolle spielt Zink?

© Tondone | AdobeStock

Immunsystem unterstützen:

Welche Rolle spielt Zink?

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Impf- und Zinkstatus im Blick

© Wörwag Pharma | KI-generiert

Bei Risikogruppen:

Impf- und Zinkstatus im Blick

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

© artemidovna | AdobeStock

Ernährungsfallen:

Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Vom Warnsignal zur RNAi-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

© Rasi / stock.adobe.com

Chronische Herzinsuffizienz

HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Anstoß zur Diskussion

Darmkrebs: Ist die koloskopische Überwachung falsch aufgestellt?

Lesetipps
Sklerenikterus bei einem älteren Patienten

© Dr. P. Marazzi / Science Photo Library

Meist Adenokarzinome

Tipps zur Früherkennung: Warnzeichen für Pankreaskrebs erkennen

Symbolbild eines Darms mit einer Lupe

© kirania / Generated with AI / Stock.adobe.com

Wandel der postoperativen Therapie

Morbus Crohn: Biologika senken das Rezidivrisiko nach Darmresektion

Sicht eines Patienten mit AMD: Das zentrale Sehen ist stark eingeschränkt durch einen dunklen Fleck.

© Tunatura - stock.adobe.com

AMD-Prävention

Altersabhängige Makuladegeneration: Leitlinie gibt Empfehlungen zum Screening