Ärzte Zeitung online, 24.05.2017
 

HNO-Ärzte

Schwindelgefühle nicht als Alterserscheinung abtun

Schwindelgefühle und die damit verbundene Unsicherheit beim Gehen gehören für Zehntausende ältere Menschen zum Alltag. Noch zu oft werden die Symptome nicht ernst genug genommen.

Schwindelgefühle nicht als Alterserscheinung abtun

Bei Patienten über 80 Jahren geht etwa die Hälfte ihrer Besuche beim Hausarzt auf Schwindelgefühle und Gleichgewichtsstörungen zurück.

© panthermedia

ERFURT. Jeder zweite Hausarzt-Besuch von Patienten über 80 geht auf Schwindelgefühle und damit verbundene Gleichgewichtsstörungen zurück. Das teilte die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde am Dienstag vor ihrer Jahrestagung in Erfurt mit. Bei den über 70-Jährigen habe etwa jeder dritte Hausarzt-Besuch diesen Grund. Durch den demografischen Wandel dürfte die absolute Zahl der Betroffenen weiter steigen, sagte Kongresspräsident Dirk Eßer. "Schwindel wird zu einem immer wichtigeren Thema in der Altersmedizin." Eßer bezeichnete die Behandlung einer steigenden Zahl von Schwindel-Patienten als interdisziplinäre Herausforderung.

Obwohl vielen Patienten bei einer richtigen Diagnose geholfen werden könnte, gebe es noch erhebliche Behandlungsdefizite in Deutschland. "Bei älteren Patienten wird Schwindel oft als Begleiterscheinung des Alterungsprozesses angesehen. Oft wird den Ursachen nicht auf den Grund gegangen", sagte Stefan Volkenstein von der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde der Ruhr-Universität Bochum. Schwindel müsse ernster genommen werden. Eine richtige Behandlung, für die eine systematische Befragung der Patienten (Anamnese) erforderlich sei, koste jedoch Zeit. Er verwies auf eine große Kohorten-Studie, wonach Schwindel als wesentlicher, die Lebensqualität beeinträchtigender Faktor alter Menschen identifiziert worden war.

 Für bestimmte peripher-vestibuläre Schwindelformen gibt es chirurgische Verfahren. Daher soll jeder Schwindel internistisch, HNO-ärztlich und/oder neurologisch abgeklärt werden. Entsprechende Konzepte zur strukturierten Diagnostik und Therapie werden beim Kongress in Erfurt diskutiert. Eine S2k-Leitlinie zu vestibulären Funktionsstörungen, verantwortet von den Fachgesellschaften für HNO und Neurologie, soll demnächst veröffentlicht werden. Seit Ende 2015 steht eine Leitlinie für Hausärzte zu akutem Schwindel zur Verfügung

Schwindelgefühle entstehen nach Angaben der Mediziner, wenn die am Gleichgewichtssystem beteiligten Sinnesorgane widersprüchliche Informationen an das Gehirn senden. Ursachen könnten unter anderem Erkrankungen im Innenohr, aber auch Abnutzungserscheinungen der Halswirbelsäule oder eine Störung des Gleichgewichtszentrums im Gehirn sein. Bei richtig diagnostizierten Schwindelsymptomen gebe es eine gute Prognose. Sie könnten häufig mit Medikamenten sowie einem Schwindeltraining zur Sturzprophylaxe behandelt werden. Operative Therapieverfahren kämen dagegen eher selten zum Einsatz.

Nach Volkensteins Angaben sind bei alten Menschen sensorische Defizite, etwa bei bilateraler Vestibulopathie, zentraler Schwindel und der gutartige Lagerungsschwindel häufige Ursachen. Bei unter 40-jährigen Schwindelpatienten kommen dagegen häufiger phobische und somatoforme Ursachen oder die vestibuläre Migräne in Betracht.

Auf ihrer Jahresversammlung in Erfurt, zu der vom 24. bis 27. Mai etwa 2500 Fachleute erwartet werden, beschäftigen sich die HNO-Ärzte vor allem mit der Altersmedizin - mit den Hauptthemen Schwindel sowie Hören einschließlich Tinnitus. (ner/dpa)

[25.05.2017, 14:13:42]
Helmut Ulrich 
Schwindel in der Hausarztpraxis
Nachdem der Patient im Liegen untersucht wurde (RR, Temperatur, EKG, Halsgefäße) bitte ich ihn sich auf der Liege hinzusetzen. Dabei hebt er den Kopf und spannt die Muskulatur des Halses und des HWS-BWS Überganges an. Tritt dabei der beklagte Schwindel auf - der Patient zeigt dabei eine deutliche Reaktion - so liegt der Schwindel wahrscheinlich in diesem Bereich.

Ich setze eine Quaddel (streng subcutan) von 5 ml Lidocain 1% beidseits des Vertebra prominens. Nach ca. 15-30 Minuten läßt der Schwindel nach und man kann den Aufstehvorgang zu Kontrolle wiederholen. Restbeschwerden können durch bestreichen mit einem Softlaser in dieser Region behoben werden.

Alle anderen Ursache - auch aus dem HNO Bereich - eher selten. Reichlich Gegenkontrollen bei dem HNO Kollegen 2 Türen weiter machen lassen.

Manipulationen an der HWS waren bei meinen Patienten nicht erforderlich.
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wie Grippeviren ihr Erbgut steuern

Forscher haben nachgewiesen, wie Gene von Influenza-A-Viren an- und abgeschaltet werden. Die Erkenntnisse sollen die Entwicklung neuer Therapien vorantreiben. mehr »

6000 Euro Strafe für Informationen über Abtreibung

Wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche hat das Amtsgericht Gießen am Freitag eine ortsansässige Allgemeinärztin zu 6000 Euro Geldstrafe verurteilt. mehr »

Mehr Transparenz soll die Wogen der SPRINT-Studie glätten

Der Streit um die SPRINT-Studie hält an. Im Fokus steht die genutzte Methode der Praxisblutdruckmessung, um die sich Gerüchte rankten. Jetzt hat die SPRINT-Gruppe für mehr Transparenz gesorgt. mehr »