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Tonsillektomie

Kein erhöhtes Blutungsrisiko mit Ibuprofen

Ibuprofen nach einer Tonsillektomie steigert bei Kindern nicht das Risiko für Blutungen. Wenn es allerdings blutet, fallen die Hämorrhagien oft heftiger aus, wie eine US-Studie ergeben hat.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:
US-Forscher geben Entwarnung: Ibuprofen löst wohl keine Blutungen nach einer Tonsillektomie aus.

US-Forscher geben Entwarnung: Ibuprofen löst wohl keine Blutungen nach einer Tonsillektomie aus.

© naumoid / Getty Images / iStock

WASHINGTON, DC. Ibuprofen ist ja ein probates und häufig verwendetes Mittel, um die Schmerzen von Kindern nach einer Tonsillektomie zu lindern. Das nichtsteroidale Analgetikum hemmt aber auch die Plättchenaggregation, je nach Dosis bis zu zwölf Stunden nach der Gabe.

Außerdem inhibiert Ibuprofen Thromboxan A2 und verlängert dadurch die Blutungszeit. Das nährt die Befürchtung, nach einer Tonsillektomie beziehungsweise Adenotonsillektomie verabreichtes Ibuprofen erhöhe die Wahrscheinlichkeit von postoperativen Blutungen.

Spezialisten für pädiatrische HNO-Heilkunde um Dr. Pamela Mudd vom Children's National Medical Center in Washington, DC, haben dieses Problem im Zuge einer retrospektiven Kohortenstudie untersucht (JAMA Otolaryngol Head Neck Surg 2017, online 4. Mai). Analysiert wurden die Daten von 6710 Patienten im medianen Alter von 5,4 Jahren.

2122 hatten nach der Tonsillektomie Ibuprofen erhalten. Insgesamt entwickelten 222 Kinder (3,3 Prozent) nach der Entfernung der Mandeln eine Blutung, die einer chirurgischen Intervention bedurfte.

Kein statistisch signifikanter Risikofaktor

Die Gabe von Ibuprofen erwies sich nicht als statistisch signifikanter Risikofaktor – im Gegensatz etwa zu einem Alter der Patienten von zwölf Jahren oder mehr (2,7-fach höheres Risiko) oder rezidivierenden Tonsillitiden in der Anamnese (1,5-fach höheres Risiko). Mudd und Kollegen beschäftigten sich aber nicht nur mit der Häufigkeit, sondern auch mit der Schwere der operativ behandelten Blutungen.

Als Surrogatmarker dienten ihnen dabei die notwendig gewordenen Bluttransfusionen. Bei 15 der 222 chirurgisch nachbehandelten Blutungspatienten wurden solche postoperativen Transfusionen nötig, was einer kumulativen 4-Jahres-Rate von 6,8 Prozent entsprach.

Darunter waren acht von 62 Patienten, die Ibuprofen bekommen, und sieben von 160, die kein Ibuprofen erhalten hatten. Die entsprechenden Raten berechneten sich zu 12,9 Prozent beziehungsweise 4,4 Prozent. In der multivariaten Analyse war die postoperative Ibuprofengabe mit einer auf rund das Dreifache gesteigerten Rate schwerer, transfusionspflichtiger Blutungen verknüpft.

"Die Schwere von Hämorrhagien steigt nach Ibuprofengebrauch signifikant, sofern man die Transfusionsrate als Surrogatmarker gelten lässt", so die Forscher. Allgemein werde die Gefahr für chirurgisch zu behandelnde Blutungen nach Tonsillektomie durch Ibuprofen aber nicht erhöht.

Studienergebnisse

» 3,3 Prozent der 6710 teilnehmenden Kinder im medianen Alter von 5,4 Jahren entwickelten nach der Entfernung der Mandeln eine Blutung.

» Die Gabe von Ibuprofen erwies sich dabei nicht als Risikofaktor – im Gegensatz zu einem Alter über zwölf Jahren oder rezidivierenden Tonsillitiden.

» Die postoperative Ibuprofengabe war allerdings mit einer auf rund das Dreifache gesteigerten Rate schwerer, transfusionspflichtiger Blutungen verknüpft.

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Kommentare
Steffen Nolte 02.06.201708:25 Uhr

Welche OP-Indikation?

Interessant, dass rezidivierende Tonsillitiden das Blutungsrisiko erhöhen.
Die rezidievierende Tonsillitis dürfte aber die Hauptindikation sein.

"Die Gabe von Ibuprofen erwies sich dabei nicht als Risikofaktor – im Gegensatz zu einem Alter über zwölf Jahren oder rezidivierenden Tonsillitiden"

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