Ärzte Zeitung, 01.06.2007

KOMMENTAR

Unnützer Verzicht trotz klarer Botschaft

Von Peter Leiner

Auch wenn die Zahlen des Jahres 2006 zu HIV und Aids, die jetzt das Robert-Koch-Institut gemeldet hat, sich nicht so sehr von denen des Jahres davor unterscheiden, so ist es dennoch eine Hiobsbotschaft.

Denn zum einen ist es offenbar nicht gelungen, den im Jahr 2005 beobachteten Anstieg der HIV-Neuinfektionen zu stoppen. Zum anderen hat sich auch in der Gruppe der Männer, die Sex mit Männern haben, kaum etwas verändert: Sie sind diejenigen, die den Hauptanteil der Menschen stellen, die sich 2006 erstmals infiziert haben. Sie schützen sich offenbar nicht vor einer Infektion, etwa durch den Gebrauch von Kondomen und den Verzicht auf schleimhautverletzende Sexualpraktiken.

Und der Trend hält offenbar an. Das lässt sich etwa auch daran ablesen, dass seit Herbst 2006 etwa im Süden und Südwesten Deutschlands die Zahl der an Syphilis erkrankten Männer, die Sex mit Männern haben, deutlich steigt, wie das Robert-Koch-Institut meldet. Das Institut rechnet deshalb 2007 mit einem weiteren Anstieg der HIV-Neudiagnosen, vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Seit vielen Jahren laufen Aufklärungskampagnen, damit Kondome zum Schutz vor einer HIV-Infektion genutzt werden. Es ist unbegreiflich, dass es immer noch Männer gibt, die trotz dieser allgegenwärtigen Botschaft auf diesen Schutz verzichten. Solange es solche Männer gibt, wird die Zahl der HIV-Infizierten weiter steigen.

Lesen Sie dazu auch:
In Deutschland wieder mehr Menschen mit HIV infiziert

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