Ärzte Zeitung online, 05.04.2017

Aktuelle Studie

Cholesterinsenkung schützt Herz von HIV-Patienten

Wichtige Ergebnisse von einem US-Kongress zum Thema HIV wurden bei der 7. Münchner AIDS- und Hepatitis-Werkstatt vorgestellt.

Von Marco Mrusek

MÜNCHEN. Die jährlich stattfindende Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections (CROI) in den USA, dieses Jahr in Seattle, ist das führende Treffen von HIV-Wissenschaftlern aus aller Welt. Bei der Münchner AIDS- und Hepatitis-Werkstatt wurden einige Highlights der US-Konferenz kurz zusammengefasst:

» Eine hohe Baseline-HIV-RNA, ein niedriger Spiegel von Helferzellen und eine afrikanische Ethnizität sind Prädiktoren für eine Gewichtszunahme unter einer antiretroviralen Therapie (ART), erklärte Dr. Michael Sabranski vom Infektionsmedizinischen Centrum Hamburg in seinem Vortrag.

» Eine Cholesterinsenkung stellt die wirksamste Methode dar, das Herzinfarktrisiko bei HIV-Patienten zu senken. Das ist das Ergebnis einer Studie mit 29.515 Patienten, in der der Anteil unterschiedlicher, modifizierbarer Risikofaktoren an der Entstehung eines Myokardinfarkts untersucht wurde. Der Risikoanteil von Cholesterin liegt dabei mit 43 Prozent an erster Stelle, gefolgt von inhalativem Tabakkonsum (38 Prozent) und Hypertonie (41 Prozent). Dieser Anteil an Myokardinfarkten wäre Sabranski zufolge zu vermeiden, adressierte man den Risikofaktor zum Beispiel durch eine Cholesterinsenkung.

Nierenversagen und Diabetes belegen die hinteren Plätze mit drei und zwei Prozent. "Den Diabetes würde ich trotzdem behandeln, das ist auch ein bisschen überraschend, dass der Prozentwert so niedrig ist. Das liegt aber daran, dass wenige Leute einen Diabetes haben, daher ist der Anteil an der Gesamtpopulation gering," erklärte Sabranski.

» Die Gabe eines Integrase Strand Transfer Inhibitors (INSTI) ist ein unabhängiger Risikofaktor bei Late-Presentern für die Entstehung eines Immunrekonstitutionssyndroms (IRIS). Das geht aus einer retrospektiven niederländischen Studie mit 18.000 ART-naiven Patienten mit niedrigem Helferzellspiegel hervor, die Sabranski vorstellte. Die INSTI-Gabe korreliert mit einem relativen Risiko von 2,69 für die Entstehung eines IRIS, gefolgt von Mykobakterien mit einem relativen Risiko von 2,46.

» Mit der Gabe von Prednisolon lässt sich das Risiko, ein Tuberkulose-IRIS zu entwickeln, um 30 Prozent senken. Das haben südafrikanische Forscher in einer placebo-kontrollierten, doppelblinden Studie mit 240 ART-naiven Patienten herausgefunden. Außerdem dauerte die Entstehung eines IRIS unter Prednisolon deutlich länger und es gab keine erhöhte Sterblichkeit in der Prednisolon-Gruppe, fügte Sabranski hinzu.

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