Ärzte Zeitung online, 28.11.2017
 

Bericht zum Welt-AIDS-Tag

Tausende in Europa wissen nichts von HIV-Infektion

In Europa haben im vergangenen Jahr mehr als 29.000 Menschen die Diagnose HIV bekommen. Das ist weniger als zuvor, für viele kommt die Diagnose aber zu spät.

Tausende in Europa wissen nichts von HIV-Infektion

Unwissend infiziert: Tausende Menschen in Europa wissen nicht, dass sie den HI-Virus in sich tragen.

© jarun011 / Fotolia

STOCKHOLM/KOPENHAGEN. Mit 29.000 ist die Zahl der neu entdeckten Infektionen nach Angaben von Gesundheitsorganisationen in den Ländern der EU und des europäischen Wirtschaftsraums leicht rückläufig. Zugleich aber wüssten Tausende noch nichts von ihrer Erkrankung, da sie oft erst nach Jahren entdeckt werde, teilte das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Dienstag mit.

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Etwa jede zweite Diagnose werde erst in einem späten Stadium gestellt. Dadurch hätten Patienten weitaus schlechtere Aussichten und das Risiko einer Ansteckung steige, erklärte ECDC-Direktorin Andrea Ammon. "Im Schnitt dauert es drei Jahre von der Infektion bis zur Diagnose – was viel zu lang ist."

Im Großraum Europa, zu dem die WHO neben den EU-Staaten auch Länder wie Russland, Kasachstan und Usbekistan zählt, gab es dem Report zufolge 2016 sogar 160.000 neue HIV-Diagnosen. Damit sei die Region die weltweit einzige mit steigenden Infektionszahlen. Die höchste Infektionsrate wurde mit 33,7 HIV-Diagnosen pro 100.000 Einwohnern in der Ukraine gemessen. Unter den EU-Ländern liegt Lettland mit 18,5 Diagnosen pro 100 000 Einwohnern vorn.

In Deutschland steckten sich nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) im vergangenen Jahr etwas mehr als 3000 Menschen an. Geschätzte 12.700 der 88.400 Menschen mit HIV hierzulande wüssten nicht, dass sie infiziert seien. 460 Menschen starben nach RKI-Daten vergangenes Jahr mit oder an HIV. (dpa)

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