Ärzte Zeitung, 15.04.2010

Zahl der ESBL-Infektionen hat sich vervierfacht

Zahl der ESBL-Infektionen hat sich vervierfacht

Daten von 586 Intensivstationen in Deutschland ausgewertet

WIESBADEN (nsi). Die Prävalenz der Infektionen mit extended spectrum beta-Laktamase-produzierenden (ESBL) Gram-negativen Bakterien ist bei Intensivpatienten dramatisch gestiegen.

Zahl der ESBL-Infektionen hat sich vervierfacht

Viele Intensivpatienten sterben an nosokomialen Infektionen. © Klaro

Die Sepsis gehört zu den drei häufigsten Todesursachen auf Intensivstationen: Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts in Berlin (RKI) gibt es jährlich zirka 64 000 nosokomiale Infektionen in deutschen Intensivabteilungen, davon 40 000 Katheter- oder Beatmungs-assoziiert. 20 bis 30 Prozent dieser Infektionen wären vermeidbar, sagte Dr. Christine Gessert, als sie beim Internistenkongress die aktuellen Daten der Infektions-Surveillance von intensivmedizinischen Abteilungen (KISS) vorstellte. Etwa 14 000 Intensivpatienten sterben jährlich an den Folgen von nosokomialen Infektionen.

Dramatisch sei die Prävalenz der Infektionen mit ESBL Gram-negativen Bakterien gestiegen, so Gessert. Diese sind gegen einen Großteil der beta-Laktame, auch der neueren Cephalosporine (Ausnahme: Cephamycine) resistent.

586 von insgesamt etwa 1000 intensivmedizinischen Abteilungen haben ihre Daten ans KISS gemeldet, die Auswertung gilt damit als repräsentativ. Danach hat sich die Prävalenz der ESBL zwischen 2003 und 2008 von 0,12 auf 0,45 pro 100 Intensivpatienten etwa vervierfacht, innerhalb der Universitätskliniken habe sie sich sogar verzehnfacht, sagte Gessert.

Als Ursache für die starke Zunahme der ESBL (E. coli, Klebsiella sp., Proteus mirabilis, Enterkokokken) gilt der hohe Selektionsdruck auf die Bakterien durch Anwendung von Antibiotika. Die primäre Antibiose sollte ein breites Erregerspektrum abdecken, und in Abhängigkeit vom Laborbefund und eventuell der klinischen Entwicklung werde dann spezifiziert und reduziert, sagte Professor Santiago Ewig aus Bochum. Die therapeutischen Möglichkeiten sind bei ESBL-Infektionen jedoch erheblich eingeschränkt.

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