Ärzte Zeitung online, 30.05.2014

Potenzieller Wirkstoff

K22 könnte MERS und SARS hemmen

Während das MERS-Coronavirus in Saudi-Arabien weiter für Todesfälle sorgt, ist Forschern ein kleiner Durchbruch gelungen: Sie haben einen potenziellen Wirkstoff gegen diese Viren entdeckt.

K22 könnte MERS und SARS hemmen

Coronavirus: Laut Forschern könnte K22 die Replikation hemmen.

© HPA / AP Photo / dpa

BERN. Eine neue Substanz hat möglicherweise das Potenzial für einen Wirkstoff gegen zahlreiche Coronaviren - unter anderem das derzeit im Nahen Osten grassierende MERS-CoV, aber auch das SARS-Virus. Die Rede ist von K22, der als Replikaseinhibitor die Vermehrung der Viren in den Zellen verhindern kann.

K22 auf die Schliche gekommen ist ein europäisches Forscherteam unter Federführung der Virologen Volker Thiel aus Bern und Edward Trybala aus Göteborg. Sie haben K22 aus einer Kollektion von fast 17.000 Wirkstoffen als möglichen Inhibitor für Coronaviren identifiziert (PLoS Pathog 10(5): e1004166).

In ihren Versuchen zeigte sich K22 als wirksam. Entscheidender Angriffspunkt ist die Membranbildung der Viren in der Wirtszelle. Nicht wenige Viren bilden zur Replikation innerhalb des Zellplasmas neue Kompartimente. Die Forscher sprechen im Fall von Coronaviren von "Doppelmembranvesikeln" (DMV), die direkt nach dem Eintritt in die Zelle gebildet werden.

In diesen subzellulären Strukturen, auch "Viroplasma" genannt, können die Viren die Konzentration der benötigten Replikaseproteine erhöhen, was zu einer gesteigerten Replikation führen kann. Außerdem schützen sich die Viren mit den intrazellulären Membranen vor den Abwehrmechanismen des Wirtsorganismus.

K22 kann diesen Replikase-Mechanismus offenbar an dem entscheidenden Protein Nsp6 stoppen. In ihren Versuchen fanden die Forscher nach einer Behandlung der Zellen mit K22 keinerlei DMV-Cluster mehr. Die Viren waren offenbar nicht mehr in der Lage, ihre "Virusfabriken" zu bauen.

In weiteren Versuchen fanden die Forscher eine ähnliche Wirkung nicht nur bei Coronaviren, darunter MERS und SARS, sondern auch bei anderen Viren, deren Replikation membrangebunden ist. Die Vermutung der Experten: K22 könnte eine potenzielle Substanz für eine neue Wirkstoffklasse gegen zahlreiche Virusinfektionen sein.

Allerdings: Die jetzigen Ergebnisse sind schlicht ein kleiner erster Schritt etwa im Kampf gegen die derzeitige MERS-CoV-Epidemie im Nahen Osten. Bevor K22 überhaupt eine Chance auf einen klinischen Einsatz erhält, müssen bekanntlich zahlreiche weitere Untersuchungen, Tests und Studien folgen. (nös)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Verändern schon wenige Joints das Gehirn?

Bei Jugendlichen, die nur ein bis zwei Mal Cannabis geraucht haben, sind Hirnveränderungen entdeckt worden. Diese könnten eine Angststörung oder Sucht begünstigen. mehr »

Bessere TSVG-Regelungen in Sicht?

Die großen Brocken wie die Aufstockung der Mindestsprechstundenzahl will Gesundheitsminister Jens Spahn nicht anfassen. Eine Nummer kleiner können die Ärzte aber wohl mit Änderungen am TSVG rechnen. mehr »

Daran starb Karl der Große

Karl der Große führte Kriege quer über den Kontinent. Sein großes Reich erstreckte sich von der Elbe bis Spanien. Am Ende könnte eine Lungenentzündung den mächtigsten Mann des Mittelalters niedergestreckt haben, mehr »