Ärzte Zeitung online, 16.11.2017
 

Immer mehr Menschen immun

Zika-Ausbruch in Brasilien bald vorbei?

Forscher geben Entwarnung: Der Zika-Ausbruch in Brasilien könnte bald vorbei sein, weitere Ausbrüche seien unwahrscheinlich. Bestätigt haben sie allerdings den Zusammenhang zwischen einer Zika-Virus-Infektion der Mutter und Mikrozephalie bei dem Neugeborenen.

Von Anne Bäurle

Zika-Ausbruch in Brasilien bald vorbei?

Überträger des Zika-Virus ist die Gelbfiebermücke. Unklar ist, ob das Virus auch in anderen Tieren persistieren kann.

© PongMoji / Getty Images / iStock

SALVADOR/BERLIN. Der Zika-Ausbruch in Brasilien könnte den Ergebnissen einer aktuellen Studie zufolge bald vorbei sein. "Der Ausbruch geht seinem Ende entgegen, weitere Ausbrüche in der Region sind sehr unwahrscheinlich", schreiben die Forscher um Dr. Eduardo Martins Netto von der Universidade Federal de Bahia in Salvador (mBio 2017; 8(6): e01390-17). Grund dafür ist die zunehmende Immunität der Bevölkerung: Wer eine Zika-Infektion überstanden hat, ist in der Regel immun gegen das Virus.

Hohe Durchseuchungsrate

Insgesamt hatten die Wissenschaftler des Forschungsverbunds, an dem auch Forscher des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) beteiligt waren, die Proben von 910 Menschen aus Salvador im Nordosten Brasiliens auf Antikörper gegen das Zika-Virus (ZIKV) untersucht. Die Gegend war während der Epidemie im Jahr 2016 besonders betroffen gewesen. So stellten die Forscher für die Bewohner von Salvador eine Infektionsrate mit ZIKV von bis zu 63 Prozent fest.

"Die Durchseuchung der Bevölkerung im nordöstlichen Brasilien ist so hoch, dass der aktuelle Zika-Ausbruch bald vorbei sein könnte", heißt es in einer Mitteilung des DZIF. Zwar breite sich ZIKV von Brasilien in Nachbarländer aus, doch auch dort werde die Epidemie nach und nach von allein abklingen. Allerdings sei nicht klar, ob sich ZIKV in anderen Tieren "verstecken" kann, um später wieder neue Ausbrüche in Menschen zu verursachen.

Neben dieser positiven Nachricht bestätigt die Studie allerdings auch den Zusammenhang zwischen einer ZIKV-Infektion der Mutter in einer frühen Phase der Schwangerschaft und Mikrozephalie bei Neugeborenen. Die Daten aus Salvador ließen gemeinsam mit anderen Studienergebnissen nun zu, eine Wahrscheinlichkeit für ein Kind mit Fehlbildungen bei einer ZIKV-Infektion zu berechnen, so die Forscher.

Sie schätzen, dass etwa eine von 100 Müttern, die in einer frühen Phase der Schwangerschaft mit ZIKV infiziert werden, ein Kind mit Mikrozephalie zur Welt bringt.

Ärmere am stärksten betroffen

Die Wissenschaftler analysierten ihre Daten zudem auf den sozioökonomischen Status der Studienteilnehmer und teilten sie je nach Gebiet, in dem sie lebten, in Subpopulationen ein. Dabei stellten sie fest, dass ärmere Bevölkerungsschichten am stärksten von Zika-Infektionen betroffen sind. Warum das so sei, darüber könne man allerdings nur spekulieren.

"Diese Ergebnisse können bei zukünftigen Maßnahmen gegen Zika aber berücksichtigt werden", so das DZIF. So sollten die Gesundheitsbehörden vor allem in ärmeren Regionen dafür sorgen, dass die Menschen besser vor den Überträgern, der Gelbfiebermücke Aedes aegypti, geschützt werden. Auch könnten künftige Impfstoffe und Medikamente, an denen mit Hochdruck gearbeitet werde, gezielter eingesetzt werden.

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