Ärzte Zeitung online, 15.05.2019

Rote-Hand-Brief

Biotin kann Laborergebnis verfälschen

Biotin kann Laborergebnisse verfälschen, deren Testprinzip auf einer Wechselwirkung zwischen Streptavidin und Biotin beruht. Darauf weist die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft hin.

BERLIN. Ärzte sollen vor Laboruntersuchungen bei Patienten eine Biotin-Anamnese erheben. Darauf verweisen die Hersteller von Biotin-Präparaten (Vitamin B7) in einem neuen Rote-Hand-Brief hin. bei positiver Anamnese sollte Rücksprache mit dem Labor gehalten werden, da Biotin die Laborergebnisse verändern kann.

Biotin wird als Arzneimittel, Nahrungsergänzungsmittel und in diätetischen Lebensmitteln angeboten. Betroffen sind Präparate, die mehr als 150 Mikrogramm Biotin pro Dosiseinheit enthalten, sowie Parenteralia mit mindestens 60 Mikrogramm Biotin pro Dosiseinheit.

Sie bergen laut Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) die Gefahr, dass die Ergebnisse von Laboruntersuchungen durch Biotin-Interferenzen falsch ausfallen. Dies stelle somit ein Risiko für verzögerte oder falsche Diagnosestellung sowie für unnötige oder ausbleibende Behandlungen dar.

Laboruntersuchungen (klinische Immunoassays), die auf einer Wechselwirkung zwischen Streptavidin und Biotin beruhen, werden nach Angaben der AkdÄ etwa zur Bestimmung zahlreicher Biomarker (z. B. Hormone, Herz-, Tumor-, Infektionsmarker), zur Konzentrationsbestimmung von Arzneistoffen sowie teilweise bei der patientennahen Labordiagnostik („Point-of-Care“-Tests etwa zur Troponin-Bestimmung) und Screeningtests (zum Beispiel auf HIV) eingesetzt. Je nach Testprinzip könne dabei die Einnahme von Biotin zu falsch-positiven (kompetitives Testprinzip) oder falsch-negativen (Sandwichprinzip) Ergebnissen führen.

Die AkdÄ rät daher, dass:

  • Patienten vor einer Laboruntersuchung über eine eventuelle Biotin-Einnahme befragt werden.
  • bei Diskrepanz zwischen Laborwerten und klinischen Symptomen oder anderen Untersuchungen die Möglichkeit einer Biotin-Interferenz in Betracht gezogen wird.
  • bei der Abgabe entsprechender Präparate in der Apotheke auf das Risiko verfälschter Laborwerte hingewiesen wird.
  • besondere Aufmerksamkeit bei Patienten mit Niereninsuffizienz, Neugeborenen, Kindern und Schwangeren gelten sollte.
  • alternative Testmethoden bevorzugt werden sollen, falls das Risiko einer Biotin-Interferenz besteht. (run)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Breite Front gegen impfende Apotheker

Auch Apotheker sollen künftig Grippe-Impfungen durchführen, so plant es die Koalition. Die Ärzte sind entsetzt – und laufen dagegen Sturm. mehr »

Arztmimik entscheidet über Therapieerfolg

Ist der Arzt überzeugt von einer Behandlung oder zweifelt er selbst am Erfolg? An der Mimik des Mediziners lesen Patienten das ab – und das beeinflusst die Therapiewirkung immens, so eine Studie. mehr »

Uniklinik vertagt HeiScreen-Bericht

Mit dem Hinweis auf die Unschuldsvermutung untersagt das Verwaltungsgericht dem Heidelberger Uniklinikum, Aussagen über die Rolle des Forschungsleiters in der Causa Bluttest zu machen. mehr »