Ärzte Zeitung, 15.02.2012

Kommentar

Antibiotika sind nicht erste Wahl

Von Wolfgang Geissel

Die großen regionalen Unterschiede bei Antibiotika-Verordnungen für Kinder in Deutschland verdeutlichen, dass die Medikamente häufig unnötig angewandt werden. Die aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung belegt: Besonders Allgemeinmediziner stellen bei Otitis media zu häufig ein Antibiotika-Rezept aus.

Offenbar hat sich der gebotene zurückhaltende Einsatz der Antiinfektiva vielfach noch nicht durchgesetzt: Die Medikamente sind bei Otitis media nur zu erwägen, wenn alle Kriterien dafür erfüllt sind (akute Krankheit mit Fieber, Ohrenschmerzen, gerötetes und vorgewölbtes Trommelfell).

Und auch in diesem Fall kann bei älteren Kindern (über sechs Monate) noch ein bis zwei Tage abgewartet werden, bis bei persistierenden Symptomen zu einem Antibiotikum gegriffen wird. Voraussetzung ist natürlich immer eine ausreichende Schmerztherapie.

Gelegentlich werden Antibiotika aber auch wider besseres Wissen verordnet, weil Ärzte meinen, dies werde erwartet. Auch davon ist nach Studiendaten nicht auszugehen: Die meisten Patienten wünschen Antiinfektiva nur, wenn sie absolut nötig sind.

Wer die gebotene Therapie gut erklärt, wird daher bei der überwältigenden Mehrheit auf Verständnis stoßen.

Lesen Sie dazu auch den Bericht:
Antibiotika-Hochburg Nordosten

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Hunde im MRT hygienischer als bärtige Männer

Ist es hygienisch, Hunde in MRT-Scanner zu legen, mit denen primär Menschen untersucht werden? Ja, legt eine Studie nahe: Bärtige Männer bergen höhere Kontaminationsrisiken. mehr »

Starke Konzentration wird im Fall Valsartan zum Klumpenrisiko

Noch ist die Risikobewertung im Fall Valsartan nicht abgeschlossen. Aber der Vorgang zeigt die Risiken der starken Marktkonzentration. mehr »

Die Gesundheit der Bombenkinder

Seit Jahrzehnten berichten viele Hibakusha – so nennt Japan seine Atombombenopfer – regelmäßig vor Schülern und Interessierten aus dem In- und Ausland von dem Grauen, das sie und ihre Angehörigen erlebten. mehr »