Ärzte Zeitung online, 09.10.2019

USA

Sexuell übertragbare Infektionen nehmen zu

Geschlechtskrankheiten verbreiten sich in den USA immer stärker. Ein „gefährlicher Trend“, warnt die Behörde CDC.

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Hochinfektiöse primäre und sekundäre Syphilis-Fälle hat in den USA im vergangenen Jahr den höchsten Wert seit 1991 erreicht.

© catinsyrup / stock.adobe.com

ATLANTA. Fälle von Syphilis, Gonorrhö und Chlamydien sind auf einem Rekordhoch in den Vereinigten Staaten. Das teilt die US-Gesundheitsbehörde CDC in ihrem jährlichen Bericht zur Überwachung von sexuell übertragbaren Infektionen (STI) für das Jahr 2018 mit.

Dem Bericht zufolge gab es 2018 einen Anstieg bei den drei häufigsten STI im Vergleich zu 2017.

  • Die Zahl der Syphilis-Fälle ist auf 115.000 gewachsen. Bei den hochinfektiösen primären und sekundären Syphilis-Fällen ist sie um 14 Prozent auf 35.000 gestiegen – der höchste Wert seit 1991.
  • Fälle von Syphilis bei Neugeborenen sind um 40 Prozent auf über 1300 gestiegen. 94 Neugeborene starben 2018 an kongenitaler Syphilis, das entspricht einem Anstieg um 22 Prozent.
  • Gonorrhö wurde fünf Prozent häufiger gemeldet, nämlich 580.000 Mal – ebenfalls wie bei Syphilis der höchste Wert seit 1991.
  • Die Zahl der Chlamydien-Fälle ist um drei Prozent auf mehr als 1,7 Millionen gewachsen – der höchste Wert, der der Behörde je gemeldet wurde.

Den großen Zuwachs bei Fällen von Syphilis bei Neugeborenen sieht die Behörde als Fortsetzung eines „gefährlichen Trends“, der in den letzten Jahren zu beobachten gewesen sei. So sind 2018 36 Prozent mehr Syphilis-Fälle bei Frauen im gebärfähigen Alter gemeldet worden als 2017.

Fünf Bundesstaaten besonders betroffen

Obwohl die meisten US-amerikanischen Bundesstaaten mindestens einen Fall von kongenitaler Syphilis gemeldet hätten, seien fünf Bundesstaaten für fast drei Viertel aller Fälle verantwortlich: Texas, Kalifornien, Florida, Arizona und Louisiana.

Das CDC weist in diesem Zusammenhang auf die Notwendigkeit von Kondomgebrauch und frühen Tests auf Syphilis hin. Diese sollten im besten Falle beim ersten Arztbesuch einer seit kurzem Schwangerem erfolgen.

Darüber hinaus sollten Frauen, die ein erhöhtes Risiko für STI haben oder in Hochprävalenz-Gebieten leben, erneut am Beginn des dritten Trimesters und dann noch einmal bei der Entbindung getestet werden.

Gesunkener Kondomgebrauch

Den Anstieg aller STI-Fälle führt die Behörde in ihrem Bericht auf mehrere Faktoren zurück. Vor allem Drogengebrauch, Armut, Stigmatisierung und häufig wechselnde Wohnorte erhöhten das Risiko für eine STI.

Weitere Faktoren seien ein gesunkener Kondomgebrauch unter Hochrisikogruppen wie jungen Menschen sowie bisexuellen und homosexuellen Männern und Einsparungen in der Finanzierung von Programmen zur STI-Prävention.

In den letzten Jahren hätten mehr als die Hälfte dieser Programme Kürzungen erfahren, die Konsequenzen seien Klinikschließungen, weniger Tests, weniger Personal sowie weniger Kontrollbesuche gewesen, heißt es in dem Bericht. (mmr)

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