Klinik Report, 12.10.2010

Die Heilungschancen bei Hepatitis C steigen

Künftig erhöhen Proteasehemmer die Heilungschancen von Patienten mit Hepatitis C. Träger von Viren mit dem Genotyp 1 werden davon besonders profitieren. Kandidat für eine antivirale Therapie ist jeder HCV-Infizierte.

Von Michael Hubert

Die Heilungschancen bei Hepatitis C steigen

Kaum noch Gewicht in der Leberdiagnostik: die Palpation des Abdomens.

© Klaus Eppele / fotolia.com

WIEN. Jeder fünfte Patient mit chronischer Infektion durch Hepatitis-C-Viren (HCV) entwickelt innerhalb von 20 Jahren eine Leberzirrhose. Von jenen mit einer Zirrhose wiederum bekommen pro Jahr drei bis fünf Prozent Leberkrebs, erinnerte Professor Christoph Sarrazin. Ein Problem: Viele Betroffene wüssten nichts von ihrer HCV-Infektion.

So war in einer französischen Studie im Jahre 1994 nur jedem vierten HCV-Infizierten die Infektion bekannt, sagte der Hepatologe vom Uniklinikum Frankfurt am Main. Mit Hilfe eines Screening-Programms lag zehn Jahre später der Anteil bei fast 60 Prozent.

Jeder mit HCV-Infektion ist Kandidat für eine Therapie

Alle Menschen mit hohen Übertragungsrisiken sollten auf HCV getestet werden. Dazu zählen Menschen, die Infusionen erhalten haben, bevor Anfang der 90er Jahre der HCV-Test eingeführt wurde. Hinzu kommen Menschen, die aus Ländern mit hoher HCV-Prävalenz stammen sowie i.v. Drogennutzer - und Patienten mit unklar erhöhten Leberwerten. Der erste Test ist immer ein Antikörpertest, ist der positiv, erfolgt der HCV-RNA-Nachweis.

Sarrazin gab zweierlei zu bedenken: Erstens könne der Antikörpertest bei Patienten mit Immunsuppression, einer Dialyse oder HIV-Infektion negativ ausfallen. Zweitens schließen normale Leberwerte eine HCV-Infektion nicht aus. So hatte in einer deutschen Studie fast jeder vierte mit chronischer Hepatitis C normale Leberwerte.

Alle chronisch HCV-infizierten Patienten seien Kandidaten für eine Therapie, sagte Sarrazin bei dem Roche-Symposium "Infectious Diseases 2010" in Wien. Wurden früher Ribavirin und PEG-Interferon generell für 48 Wochen gegeben, ist heute die Therapiedauer Response-gesteuert und erfolgt individuell, von 16 bis 72 Wochen.

Für diese Entscheidung sind drei Zeitpunkte wichtig: nach 4, nach 12 und nach 24 Wochen. Ist bei Patienten bereits nach vier Wochen keine HCV-RNA nachweisbar (rapid responder) reichen 24 Wochen Therapie. Ist hingegen nach zwölf Wochen die HCV-RNA-Menge nicht um mindestens zwei log-Stufen gesunken oder ist nach 24 Wochen noch HCV-RNA nachweisbar, wird die Therapie abgebrochen. Bei diesen Patienten wird sie nicht erfolgreich sein, haben Studien belegt.

Weiteren Schub werden der HCV-Therapie neue Substanzen bringen, versprach Sarrazin. Direkt antivirale Substanzen ohne Interferon und Ribavirin befinden sich in Phase-I- und Phase-II-Studien. Für kommendes Jahr erwartet der Hepatologe, dass die beiden Proteasehemmer Telaprevir und Boceprevir zugelassen werden.

Beide Substanzen werden als Triple-Therapie zusammen mit Ribavirin und PEG-Interferon eingesetzt, die Therapiedauer erfolgt ebenfalls individuell. Die Ansprechrate konnte bei Patienten mit HCV-Genotyp 1 durch die Triple-Therapie mit Boceprevir auf fast 70 Prozent gesteigert werden, gegenüber etwa 50 Prozent mit der Standardtherapie. Mit den Proteasehemmern lägen die Ansprechraten in Studien meist etwa 20 bis 25 Prozentpunkte höher.

Polymorphismus führt zu geringen Ansprechraten

Anders waren die Ansprechraten bei schwarzen US-Amerikanern. Der Austausch zweier Basen im IL28B-Gen führt zu deutlich verringerten Ansprechraten auf die Triple-Therapie mit Telaprevir, bis hin zum vollständigen Therapieversagen. Die Bedeutung dieses IL28B-Polymorphismus für die HCV-Therapie sei derzeit noch nicht klar. Sarrazin geht allerdings davon aus, dass er künftig mit in die Therapieentscheidung bei Patienten mit chronischer Hepatitis C einbezogen wird.

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