Ärzte Zeitung, 02.11.2010

Internet-Forum

Hautkrankheit nach Impfung und nach Infekt: Kann ein Säugling weiter geimpft werden?

Hautkrankheit nach Impfung und nach Infekt Kann ein Säugling weiter geimpft werden?

Eine Kollegin fragt im Internet:

Frage: Ein jetzt zwölf Monate altes Kind bekam im Alter von neun Monaten ein Erythema exsudativum multiforme minor, und zwar einen Tag, nachdem es gleichzeitig jeweils die dritte Impfung mit Sechsfach-Impfstoff und Prevenar® erhalten hatte. Die Laborwerte waren im Normbereich, das IgE unauffällig. Mit sieben Monaten hatte das Kind nach einem Infekt eine leichte Form von Purpura Schönlein-Henoch. Jetzt gab es nach einer Infektion keine Hauterscheinungen. Kann man nun nach den STIKO-Empfehlungen normal weiterimpfen?

Dr. Jan Leidel: Es gibt keine belastbaren Daten zur Beantwortung Ihrer Frage. Das Erythema exsudativum multiforme (EEM) ist eine nicht allzu seltene Erkrankung in der Bevölkerung (Prävalenz etwa 1 : 1 000 bis 1 : 10 000). Die Ursachen sind nach wie vor nicht sicher bekannt. Oft tritt es als unerwünschte Wirkung von Arzneimitteln oder nach bakteriellen Infektionen (besonders durch Streptokokken) oder viralen Infektionen (besonders durch Herpes simplex Typ 1) auf. Auch nach Impfungen wird es gelegentlich beobachtet.

Die STIKO führt das EEM in ihren "Hinweisen zum Aufklärungsbedarf über mögliche unerwünschte Wirkungen bei Schutzimpfungen" auf unter der Rubrik "Krankheiten/Krankheitserscheinungen in ungeklärtem ursächlichen Zusammenhang mit der Impfung" besonders bei den Impfungen gegen Masern, Röteln, Mumps, Varizellen und deren Kombinationen.

Unter den ersten 1 873 Fällen, die das Paul-Ehrlich-Institut in seiner Datenbank über unerwünschte Arzneiwirkungen (UAW) von Schutzimpfungen aufgeführt hatte, waren 12 Fälle von EEM nach ganz unterschiedlichen Impfstoffen, darunter dreimal Infanrix® hexa (einmal in Kombination mit Prevenar®).

Es gibt keine Kenntnisse darüber, wie wahrscheinlich eine Wiederholung dieser UAW nach einer erneuten Impfung ist. Allerdings halte ich nach einer Bewertung der mir zur Verfügung stehenden Daten diese Wahrscheinlichkeit für gering. Da andererseits die Krankheiten, gegen die durch die Impfungen ein Schutz erreicht werden soll, durchaus mit nicht unerheblichen Risiken verbunden sind, würde ich dazu tendieren, normal nach STIKO-Empfehlungen weiter zu impfen.

Tipps zur Aufklärung über mögliche unerwünschte Impf-Wirkungen unter www.rki.de "Hinweise zum Aufklärungsbedarf" (mit Anführungszeichen!) in die Suchmaske eingeben!

Nur für Fachkreise: Holen Sie sich Expertenrat im Fachforum Impfen

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Abwarten schlägt Op

Zumindest in den ersten sechs Jahren nach Diagnose haben Männer mit lokalisiertem Prostata-Ca eine bessere Lebensqualität, wenn sie sich nicht unters Messer legen. mehr »

No deal-Brexit? Dieses Szenario lässt NHS-Angestellte schaudern

Je mehr Zeit in ergebnislosen Verhandlungen verrinnt, desto nervöser werden Beschäftigte vor allem im Gesundheitswesen. Ein Brexit ohne Vertrag mit der EU? Im NHS fürchtet man in diesem Fall ein Desaster. mehr »

Der reine Telearzt kommt

Fernbehandlung ohne Erstkontakt in der Praxis? Im Ländle wird dieses Modell jetzt erstmals getestet. Die Kammer dort hat gerade das erste Projekt genehmigt. mehr »