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Hintergrund

Medizinstudenten wissen nur wenig über Masern

Bis 2010 sollten in Europa die Masern ausgerottet werden, so wollte es die Weltgesundheitsorganisation. Doch das hehre Ziel ist längst nicht erreicht. Nun zeigt eine Studie: Nur jeder dritte Medizinstudent weiß, wie kontagiös das Masernvirus ist. Und auch sonst gibt es große Wissenslücken.

Von Michael Hubert Veröffentlicht:
Mediziner-Nachwuchs: Bildungslücke beim Thema Masern?

Mediziner-Nachwuchs: Bildungslücke beim Thema Masern?

© Andres Rodriguez / fotolia.com

Einen einzigen großen Erfolg in der Eradikation von Krankheitserregern konnte die Weltgemeinschaft bisher verbuchen: Die Pocken wurden ausgerottet. Bei der Eradikation der Kinderlähmung gibt es jedoch immer wieder Rückschläge.

Zuletzt vor einigen Jahren, als die Machthaber in Nigeria aus religiös-verbrämten Gründen das Impfprogramm stoppten und die WHO-Mitarbeiter des Landes verwiesen. Die Folge: Das Polio-Virus konnte sich von Nigeria bis nach Indien ausbreiten.

Es gibt jedoch keinen Grund, die Nase über die religiöse Führungsclique in dem westafrikanischen Land zu rümpfen. Auch das aufgeklärte, säkulare Europa ist da kein Stück besser.

Nur geht es hier nicht um Polio sondern um Masern. Dieses Virus sollte nach WHO-Plänen bereits 2010 aus Europa verschwinden. Daraus wurde bekanntlich nichts.

Nun gibt es eine Fristverlängerung bis 2015. Doch nur Träumer glauben ernsthaft daran, dass es diesmal klappen könnte. Schließlich enthält der bei der 2. Nationalen Impfkonferenz vorgestellte Impfplan keine verbindlichen Vorgaben für Impfraten.

Allein in Deutschland wurden seit 2006 fast 5000 Masernerkrankungen verzeichnet. Auf dem gesamten amerikanischen Kontinent gibt es nur ein Zehntel davon. Und das innerhalb von zehn Jahren.

Deutschland ist ein Hort der Masern in Europa, die Ursachen sind schnell ausgemacht: Hauptgrund sind die zu geringen Impfraten bei der notwendigen zweiten Masernimpfung. Sie liegen bei unter 90 Prozent. Eine Eradikation ist aber nur mit Impfquoten von über 95 Prozent - für beide Impfungen - erreichbar.

Ein weiterer Grund scheint der niedrige Kenntnisstand zu sein. Selbst Medizinstudenten haben nur ein lückenhaftes Wissen zum Thema Masern. Das hat eine Studie an der Uni in Frankfurt am Main ergeben (Bundesges Blatt 2011; 54: 238).

Zwar gaben bei der Befragung 76 Prozent der über 300 Studenten korrekt an, dass Masern im direkten Kontakt durch das Einatmen infektiöser Tröpfchen übertragen werden.

Aber schon die Tatsache, dass das Masernvirus bereits nach kurzer Exposition zur Infektion führt, war kaum bekannt. Nur jeder Dritte gab korrekt an, dass der Kontagionsindex nahe 100 Prozent liegt.

Unklarheiten herrschten auch hinsichtlich des Impfstoffs. Jedem dritten war klar, dass es sich um einen Lebendimpfstoff aus abgeschwächten Masernviren handelt. Doch genauso viele glaubten, es handele sich um einen Totimpfstoff, hergestellt aus Oberflächenantigenen. Hier wurde der Masernimpfstoff wohl mit jenem gegen Hepatitis B verwechselt.

Fast schon erschreckend sind die niedrigen Impfraten bei den Medizinstudenten. Nur knapp 60 Prozent hatten beide Dosen erhalten, wobei es deutliche Unterschiede gab: Bei den Männern waren 48 Prozent und bei den Frauen 64 Prozent zweimal gegen Masern geimpft.

Deutlicher fielen die Unterschiede zwischen deutschen und ausländischen Medizinstudenten aus. Sie lagen bei 62 versus 36 Prozent. In der Studie wurden auch die Seren der Studenten untersucht. Das Ergebnis: 23 Prozent wiesen eine unzureichende Masernimmunität auf.

Die Autoren der Studie weisen daraufhin, dass nichtimmune Beschäftigte im Gesundheitswesen ein vermeidbares Gefährdungspotenzial für Patienten darstellen.

Studenten sollten daher frühzeitig über den Sinn von Impfungen aufgeklärt werden, um sich selbst vor Erkrankungen zu schützen und auch, um die Patienten nicht zu infizieren.

Der Impfstatus vom Medizinpersonal beeinflusse darüberhinaus den Impfstatus der betreuten Patienten: Wenn medizinisches Personal selbst nicht geimpft ist, werden dem Patienten unter Umständen notwendige Impfungen seltener angeboten.

Am Uniklinikum Frankfurt werden Medizinstudenten daher vor dem ersten Patientenkontakt auf arbeitsmedizinisch relevante impfpräventable Erkrankungen untersucht. Hierzu zählen Masern, Mumps und Röteln sowie Varizella-Zoster-Infektionen.

Lesen Sie dazu auch: Menschen von Impfungen überzeugen - können Ärzte noch am besten Kommentar: Masern sind immer unnötiges Leid

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