Ärzte Zeitung online, 12.06.2018

Meningitis und Pneumonie

Impfen rettete 1,3 Millionen Kindern das Leben

Die Pneumokokken-Impfung und die Impfung gegen Meningitis haben die Sterblichkeit von Kindern weltweit drastisch reduziert.

Von Wolfgang Geissel

Impfen rettete 1,3 Millionen Kindern das Leben

Kinder in Nigeria zeigen stolz ihre bei einer Impfaktion markierten Hände.

© Paul Chenoweth / Global Immunization Division / CDC

BALTIMORE. In armen Ländern haben konjugierte Impfstoffe gegen Pneumokokken und Haemophilus influenza Typ b (Hib) die Zahl der Erkrankungen und Todesfälle drastisch reduziert, berichtet ein internationales Forscherteam um Dr. Brian Wahl von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore im US-Staat Maryland (Lancet Global Health 2018; 6: e744).

Besonders bei Kleinkindern in Entwicklungsländern sind die schweren invasiven Infektionen mit den beiden Keimen eine Ursache für hohe Morbidität und Mortalität. Nach Schätzungen gab es im Jahr 2000 bei Kindern weltweit:

» 2,1 Millionen schwere Infektionen und 299.000 Todesfälle durch Hib,

» 6,6 Million schwere Erkrankungen und 600.000 Todesfälle durch Pneumokokken-Infektionen.

In Industrieländern haben konjugierte Impfstoffe binnen drei Jahrzehnten Hib-Erkrankungen praktisch eliminiert. In Entwicklungsländern wird aber erst seit zehn Jahren gegen Hib geimpft.

Auch die Pneumokokken-Konjugatvakzine (PCV) wird dort erst seit 2009 breiter verwendet.

Deutlicher Rückgang

Wahl und seine Kollegen haben jetzt Land für Land und für jedes Jahr von 2000 bis 2015 die Zahlen von Erkrankungen und Todesfällen durch Hib und Pneumokokken bei Kindern abgeschätzt.

Ausgewertet wurden länderspezifische Zahlen für Pneumonie- und Meningitis-Todesfälle sowie die durch die beiden Keime jeweils verursachten Anteile daran. Einbezogen wurden zudem Schätzungen von WHO und UNICEF zu den Impfraten.

In der Zeit gab es einen deutlichen Rückgang schwerer Erkrankungen durch die beiden Keime bei Kleinkindern im Alter von 12 bis 59 Monate. 2015 wurden danach die Zahlen der Todesfälle durch Hib auf 29.500 und durch Pneumokokken auf 294.000 geschätzt.

Im Vergleich zu 2000 waren dies Rückgänge um 90 Prozent bei Hib und um 51 Prozent bei Pneumokokken. Auch Todesfälle durch Koinfektionen mit den Keimen bei Kindern mit HIV/Aids gingen von etwa 95.000 in 2000 auf 23.000 in 2015 zurück.

Impfkampagnen mit PCV 2010 in vielen Ländern gestartet

Diese starken Rückgänge von Pneumonien und Meningitiden seien allerdings nicht auf die Impfstoffe allein, sondern auch auf andere Faktoren wie Hygiene und verbesserten Zugang zur Gesundheitsversorgung zurückzuführen, räumen die Forscher ein: "Im Vergleich zu 2000 starben 2015 auch weltweit weniger Kinder an anderen Krankheiten."

Nichtsdestotrotz gibt es Belege für eine beachtliche Reduktion von Todesfällen durch Impfprogramme: So ging die Mortalität durch invasive Pneumokokken-Infektionen zwischen 2000 und 2010 jährlich um drei Prozent und nach 2010 um acht Prozent zurück.

"Im Jahr 2010 hatten viele Länder mit hoher Krankheitslast Impfkampagnen mit PCV gestartet", berichtet Wahl.

Die Forscher schätzen, dass zwischen 2000 und 2015 insgesamt 250.000 Todesfälle bei Kindern durch PCV und 1,2 Millionen durch Hib-Impfstoffe verhindert wurden.

Allerdings sterben auch heute noch weltweit täglich 900 Kinder an den Folgen der Infektionen mit den beiden Keimen, betonen die Forscher. Allerdings: Jede zweite tödliche Pneumokokken-Erkrankung trat 2015 in nur vier Ländern auf: Indien, Nigeria, der Demokratische Republik Kongo und Pakistan.

"Die hohe Krankheitslast durch Pneumokokken ist heute nur noch auf wenige Länder begrenzt, in denen der Impfstoff noch nicht oder nicht ausreichend eingesetzt wird",so die Forscher. Hier müsse in Zukunft angesetzt werden.

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