Ärzte Zeitung, 15.09.2008

Schwere Grippeerkrankungen für Saison 2008 / 2009 erwartet

Alle drei Stämme in Impfstoffen wurden ausgetauscht

FRANKFURT AM MAIN (ner). Im Unterschied zur vergangenen Influenza-Saison erwarten Experten 2008/2009 vermehrt schwere Grippe-Erkrankungen. Es haben sich gleich mehrere Virenstämme geändert. Die WHO gab die ungewöhnliche Empfehlung, in den trivalenten Impfstoffen gleich alle drei Virenstämme auszutauschen.

Ein Pieks schützt vor Influenza.

Foto: Klaro

Vermehrt schwere Erkrankungen wird es vermutlich wegen eines Influenza A (H3N1)-Virusstammes geben. Dieser hatte 2007/2008 in den USA zu einer ausgeprägten Erkrankungswelle geführt. Erfahrungsgemäß breiteten sich Antigen-Drift-Varianten des H3-Subtyps schnell aus, sagte der Virologe Professor Peter Wutzler aus Jena. H1N1- und B-Stämme führen dagegen eher zu milden Erkrankungen.

Deshalb sei die Grippe-Saison 2007/2008 in Deutschland schwach verlaufen - mit etwa 4500 Krankenhauseinweisungen und wenigen Todesfällen, so Wutzler bei einer Veranstaltung von Novartis Behring in Frankfurt am Main. Der aktuelle Impfstoff enthält Antigene eines H3/N2-, eines H1N1- und eines Influenza-B-Stamms.

Wutzler bedauerte die im Vergleich zu 2005/2006 rückläufigen Impfraten für die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) benannten Personengruppen. Häufig unterschätzt würde die Belastung der Kinder, unter denen am häufigsten Grippe-Erkrankungen aufträten und die entscheidend zur Ausbreitung der Infektion beitrügen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen sowie chronisch Kranke. Wutzler sprach sich für eine Impfung ab dem 50. Lebensjahr aus, weil bereits ab diesem Alter die Morbiditätsraten deutlich stiegen.

Bis zu einem Drittel der 50- bis 64-Jährigen sei chronisch krank, was das Risiko für eine Grippe-Erkrankung erhöht. 70 bis 90 Prozent der Influenza-Fälle in dieser Altersgruppe könnten verhindert werden, wenn die Impfstämme gut mit den zirkulierenden Viren übereinstimmen.

Impfstoff-Engpässe werden nicht erwartet. Bereits Ende August hat das Paul-Ehrlich-Institut 13,2 Millionen Impf-Dosen freigegeben.

Fragen zu Impfungen? Nutzen Sie unsere Hotline Impfen!

Lesen Sie zum Thema Grippe-Impfung auch:
Alte Menschen sollten zur Grippe-Impfung motiviert werden

Impfung nützt jungen Asthmatikern
Grippe-Impfung schützt Lunge, Herz und Hirn
Impfung gegen Influenza halbiert Sterberate bei über 65-Jährigen

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »