Ärzte Zeitung online, 22.03.2017

Infektionen

Masern auch in Nachbarländern

Masern-Ausbrüche gibt es zurzeit in Italien, Belgien, Rumänien und Österreich.

Von Dr. Sandra Vergin und Professor Tomas Jelinek

DÜSSELDORF. Deutschland hat dieses Jahr erneut mit Masern-Ausbrüchen etwa in Duisburg, Leipzig und Berlin zu kämpfen. Bis Mitte März sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts bundesweit 188 Menschen daran erkrankt (Epi Bull 2017; 11/12: 111).

Masern sind zurzeit auch in vielen anderen Ländern ein Problem: Aus 15 Regionen Italiens wurden im Januar insgesamt 238 Fälle gemeldet, in Rumänien hat ein bereits seit Anfang 2016 anhaltender Ausbruch bislang zu etwa 3200 Erkrankungen und 16 Todesfällen geführt. In Belgien (Wallonie) traten über den Jahreswechsel hinweg bis Ende Februar 75 Verdachtsfälle auf, in Österreich liegt die Fallzahl mit 69 im Jahr 2017 bereits über der Gesamtfallzahl aus 2016.

Weltweit gesehen ist aktuell Guinea stark betroffen: Seit Januar sind mehr als 2100 Kinder erkrankt, Anfang Februar wurde offiziell ein Ausbruch erklärt. Das berichtet die "International Society for Infectious Diseases" in einem aktuellen Update zu Masern vom 14. März.

Das hochkontagiöse Masern-Virus hat als natürliches Reservoir nur den Menschen. Deshalb können Masern theoretisch auch durch Impfungen eliminiert werden. Die Übertragung des Erregers erfolgt hauptsächlich durch das Einatmen infektiöser Tröpfchen, aber auch durch Kontakt mit Sekreten erkrankter Personen. Als erste Symptome treten Fieber, Erkältungsbeschwerden, Konjunktivitis sowie ein Enanthem im Mundbereich auf; das charakteristische makulopapulöse Exanthem bildet sich erst wenige Tage später.

Eine infektionsbedingte vorübergehende Immunschwäche erhöht bei Masern das Risiko für bakterielle Superinfektionen (häufig Otitis media, Pneumonie, Bronchitis, Diarrhoe). Die Erkrankung ist in der Regel selbstlimitierend. Als sehr seltene Spätkomplikation kann – auch Jahre nach Erkrankung – die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) auftreten. Diese beginnt mit Persönlichkeitsveränderungen und neurologischen Ausfällen des Patienten und führt letztlich immer zum Tod.

Zum Schutz vor der impfpräventablen Krankheit sollten nach dem Impfkalender alle Kinder und Jugendlichen zweimal geimpft sein. Allen nach 1970 geborenen Erwachsenen ohne (vollständigen) Impfschutz oder mit unklarem Impfstatus empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) eine einmalige Masernimpfung. Eine vollständige Grundimmunisierung oder auch eine durchgemachte Masernerkrankung bieten eine lebenslange Immunität.

Die Autoren arbeiten für das CRM Centrum für Reisemedizin

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