Ärzte Zeitung, 02.06.2014

Berechnungsfehler

Zervix-Ca-Risiken wurden lange unterschätzt

Ein systematischer Fehler hat dazu geführt, dass Inzidenz und Altersverteilung von Zervixkarzinomen falsch berechnet wurden.

BALTIMORE. Frauen mit totaler Hysterektomie können nicht neu an Gebärmutterhalskrebs erkranken: Diese schlichte Erkenntnis ist bei der Abschätzung der Erkrankungsraten in den USA lange Zeit vergessen worden.

Ein folgenschwerer Fehler, wie eine in der Zeitschrift "Cancer" veröffentlichte Studie jetzt zeigt: Inzidenz und Altersgipfel von Zervixkarzinomen sind demnach beträchtlich höher als bislang angenommen (Cancer 2014, online 12. Mai).

Bisher waren in die Berechnung von Inzidenzraten alle Frauen als potenziell gefährdete Ausgangsgruppe ("population at risk") eingegangen. Da in den USA aber bei sehr vielen Frauen irgendwann der Uterus vollständig exstirpiert wird, führt dies zu einer Verdünnung des tatsächlichen Risikos. Anne F. Rositch von der Universität in Baltimore und Kolleginnen haben nun entsprechend korrigierte Zahlen vorgelegt.

Zwischen 2000 und 2009 hatte demnach jede fünfte in den USA lebende Frau (20,1 Prozent) eine Hysterektomie hinter sich. Dies berücksichtigend ergibt sich eine altersstandardisierte Zervixkarzinomrate von 18,6 pro 100.000 Frauen - statt wie bisher einer Quote von 11,7 pro 100.000. Auch die Altersverteilung stellt sich damit anders dar.

Inzidenz nimmt viele Jahre zu

Bislang war man davon ausgegangen, dass das Erkrankungsrisiko bereits im Alter von 40 bis 44 Jahren mit 15,6 Fällen pro 100.000 Frauen seinen Maximalwert erreicht hat. Nun zeigt sich, dass die Inzidenz noch viele Jahre mehr stetig zunimmt.

Der Altersgipfel wird demnach erst zwischen 65. und 69. Lebensjahr erreicht, und zwar mit 27,4 Neuerkrankungen pro 100.000 Frauen.

Rositch und Kolleginnen betonen insbesondere das unerwartet hohe Risiko von älteren Frauen. Bei den über 65-Jährigen liege die Inzidenz über 80 Prozent höher als in früheren Berechnungen.

Das ist in den USA von besonderer Relevanz, weil hier empfohlen wird, das Routine-Screening auf Zervixkarzinome bei Frauen ohne anamnestische Auffälligkeiten im Alter von 65 Jahren zu beenden. Diese Empfehlung müsse angesichts der neuen Zahlen überprüft werden, so das Team um Rositch. In Deutschland ist für das Screening keine obere Altersgrenze definiert. (BS)

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