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Kopfschmerz bei Kindern? An Hirntumoren denken!

Bei Kindern wird die Diagnose eines Hirntumors oft spät gestellt. Ein Hinweis kann Kopfschmerz sein.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:

BERLIN. Beim Thema Hirntumor denken viele Ärzte als erstes an die klassischen Hirndruckzeichen, die auftreten, wenn der intrakranielle Druck tumorbedingt steigt. Nackensteife, (Nüchtern-)Erbrechen und Vigilanzstörungen sind hier die Stichworte. Wer sich nur auf diese Hirndruckzeichen verlässt, kann bei Kindern aber noch stärker als bei Erwachsenen diagnostisch in die Irre geleitet werden.

"Bei 50 Prozent der an Hirntumoren erkrankten Kinder bestehen initial keine klassischen Hirndruckzeichen", betont Privatdozent Stefan Rutkowski von der Kinderklinik am Universitätsklinikum Würzburg. Stattdessen liegen oft unspezifische Beschwerden vor, darunter in erster Linie Kopfschmerzen, über die ein Großteil der Hirntumorpatienten zu irgendeinem Zeitpunkt der Erkrankung berichtet.

Vor allem nächtliche und morgendliche Kopfschmerzen, eine Zunahme der Symptome oder eine Veränderung der Beschwerden bei bekannten Kopfschmerzen sollten an einen Hirntumor denken lassen, so Rutkowski (Monatsschr Kinderheilk 156, 2008, 1165). Eile ist in jedem Fall geboten. Denn 9 von 10 Kindern mit hirntumorbedingten Kopfschmerzen entwickeln als Hinweis auf eine Tumorprogredienz innerhalb von vier Wochen zusätzliche neurologische oder psychiatrische, bei entsprechender Lokalisation auch ophthalmologische Befunde.

Rutkowski und seine Kollegen plädieren deswegen dafür, bei Kindern mit unspezifischen Kopfschmerzen eine ausführliche neurologische Untersuchung zu veranlassen. Finden sich dabei weitere Zeichen eines erhöhten Hirndrucks oder fokal-neurologische Defizite, ist eine neuroradiologische Bildgebung, in der Regel eine Kernspintomografie, indiziert.

Dies gelte auch für Kinder mit einem ersten zerebralen Krampfanfall und für Kinder mit neuroendokrinologischen Störungen wie Diabetes insipidus oder Minderwuchs. Nur bei klassischen Fieberkrämpfen ohne fokal-neurologische Symptome könne von dieser Regel abgewichen werden, so Rutkowski.

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