Ärzte Zeitung, 11.02.2005

Neue Endoskopie-Technik läßt tief blicken

Konfokale Laserendomikroskopie könnte in Zukunft histologische Untersuchungen ersetzen

HAMBURG (grue). Mit dem Endoskop können Gastroenterologen heute weit mehr als nur den Darm einsehen. Moderne Geräte haben integrierte Zusatzfunktionen, die das Auflösevermögen verbessern und Tiefeneinblicke erlauben.

Die Einsatzmöglichkeiten der konventionellen Endoskope sind limitiert: Die zu betrachtenden Strukturen stellen sich selbst mit einem Zoom-Endoskop in "nur" 100facher Vergrößerung dar, und in der Tiefe ist kaum etwas zu erkennen.

Deshalb müssen viele Gewebeproben entnommen und histologisch untersucht werden, um bösartige Veränderungen mit hinreichender Genauigkeit zu diagnostizieren. Wird dabei ein Tumor oder dessen Vorstufe gefunden, ist für die Behandlung ein weiterer endoskopischer oder operativer Eingriff nötig.

Mit technischen Weiterentwicklungen sollen diese zeit- und kostenaufwendigen Schritte zusammengeführt werden. Endoskopie, Diagnostik und wenn nötig auch Therapie in einer Sitzung, heißt das Ziel.

Den Weg dorthin weist die konfokale Laserendomikroskopie, wie Professor Horst Neuhaus vom Evangelischen Krankenhaus Düsseldorf beim Endo Club Nord-Forum in Hamburg gesagt hat.

Bei diesem Verfahren tastet ein Laserstrahl die eingefärbte Gewebeoberfläche ab und ein Mikroskop an der Spitze des Endoskops bildet die Lichtreflexionen als 1000fach vergrößertes Graustufenbild ab. "Zum ersten Mal können wird damit Epithel, Bindegewebe und Blutgefäße auf zellulärer Ebene beurteilen", sagte Neuhaus auf der von Altana und Olympus unterstützten Veranstaltung.

Beim Barrett-Ösophagus ist mit der konfokalen Laserendomikroskopie - auch Olympus entwickelt derzeit ein solches System - etwa das charakteristische, tubulär aufgebaute Epithel zu erkennen; bei der endoskopischen Untersuchung des Dickdarms lassen sich Adenome von Polypen unterscheiden. "Das Verfahren ist sehr genau und könnte histologische Gewebeproben ersetzen", so Neuhaus. Allerdings seien dafür zunächst noch weitere vergleichende Studien nötig.

Das hohe Auflösevermögen der neuen Methode wird auch Verborgenes sichtbar machen, zum Beispiel dürften Helicobacter-Bakterien ohne weiteres zu erkennen sein.

Der Anwendung der neuen Technik zur Routinediagnostik bei Gastritis sind zwar aus Kostengründen Grenzen gesetzt, doch sonst werden sich die Geräte durch Einsparung von Biopsien rechnen, meint Neuhaus. Erst recht, wenn sich an die Schnelldiagnose gleich eine endoskopische Therapie anschließt, wie das schon jetzt in Japan üblich ist.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Der Transgender-Trend

Paradigmenwechsel? Transsexuelle lassen sich sogar selbstbewusst für den "Playboy" ablichten. Psychiater warnen aber vor einem Geschlechtsdysphorie-Hype unter Jugendlichen. mehr »

Deshalb gibt's immer mehr Parkinsonkranke

Die absolute Zahl der weltweiten Parkinsonkranken hat sich seit 1990 mehr als verdoppelt. Forscher haben eine Vermutung, warum der Anstieg in manchen Ländern so stark ist. mehr »

Das Brexit-Brimborium

Unser Londoner Blogger Arndt Striegler hat alle Tests bestanden und ist nun britischer Staatsbürger. Doch auch als Passinhaber ist er sich sicher: Die Briten werden nach dem EU-Ausstieg nicht besser dastehen als vorher. mehr »