Ärzte Zeitung online, 29.05.2017
 

Erhöhtes Risiko

ADHS und Sucht treten oft gemeinsam auf

Ein ADHS im Kindesalter ist mit einem deutlich erhöhten Suchtrisiko im weiteren Leben vergesellschaftet.

Von Thomas Meissner

BRUGG. Symptome des Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndroms (ADHS) persistieren oft bis ins Erwachsenenalter. Bei bis zu zwei von drei Patienten geht das ADHS außerdem mit weiteren psychischen Störungen einher. Das deutlich erhöhte Suchtrisiko dieser Patienten werde im Wesentlichen auf eine fehlgeleitete Selbstmedikation zurückgeführt, so Privatdozentin Dr. Monika Ridinger, Leiterin der Suchtpsychiatrie und –psychotherapie, Psychiatrische Dienste Aargau in Brugg, Schweiz (Nervenheilkunde 2016; 35: 764-769).

Psychotrope Substanzen stimulieren die bei ADHS minderaktiven Bereiche im Belohnungssystem und fördern die dopaminerge Neurotransmission. Dies entspreche der Dopamindefizit-Hypothese bei Menschen mit Süchten, wonach diese anfälliger für psychotrope Substanzen sind als Menschen mit hinreichender Dopaminwirkung. Hinzu kommen komplexe Störungen in kortikalen Netzwerken.

Die Summation solcher Komponenten mit den in der Entwicklung des ADHS gemachten Erfahrungen von Scheitern und Versagen, die Verfügbarkeit psychotroper Substanzen sowie die Gelegenheit zu süchtigen Verhaltensweisen bahnten den individuellen Weg zur Sucht – sowohl zu substanzgebundenen als auch Substanz-ungebundenen Abhängigkeiten wie Spielsucht. So finden sich unter erwachsenen Substanzabhängigen bis zu 23 Prozent ADHS-Patienten.

Als effizienter Präventionsansatz gilt die konsequente Behandlung und Linderung der ADHS-spezifischen Symptome, bevorzugt mit langsam anflutenden Stimulanzien, die sich nicht oder nur schwer intravenös injizieren lassen. Komorbide Störungen bedürfen einer komplexen Interventionsplanung.

Die Besserung der Symptome einer Störung führen nicht automatisch zur Linderung anderer Störungen. Notwendig, so Ridinger, sei daher die integrative Behandlung mit Medikamenten, Psychotherapien, Psychoedukation, Verhaltenstrainings sowie komplementären Angeboten wie Bewegungstherapie, Ernährungsberatung, achtsamkeitsbasierten Verfahren oder auch Biofeedback-Methoden. Speziell die medikamentöse Behandlung bei ADHS und Sucht müsse erfahrenen Spezialisten vorbehalten bleiben.

23% der erwachsenen Substanzabhängigen haben ein Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom.

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