Ärzte Zeitung, 28.01.2005

Sprache in verschiedenen Arealen verarbeitet

Bedeutung eines Wortes bestimmt, wo es im Gehirn verarbeitet wird

STOCKTON-ON-TEES (ddp). Ein und dasselbe Wort kann je nach seiner Bedeutung in unterschiedlichen Gehirnbereichen verarbeitet werden. So hängt zum Beispiel die Verarbeitung des Wortes "am" davon ab, ob es sich um eine Zeitangabe wie "am Montag" oder eine Ortsangabe wie "am Bahnhof" handelt.

Das hat ein US-Neurolinguist entdeckt, als er mit vier Schlaganfallpatienten Sprachtests machte. Je nachdem, welche Gehirnbereiche bei den Probanden geschädigt waren, konnten sie nur noch die zeitliche oder nur noch die räumliche Bedeutung der Präposition erfassen. Das berichtet Dr. David Kemmerer von der Purdue-Universität in West Lafayette in "Neuropsychologia" (Online-Ausgabe).

Kemmerer vermutete, daß eine Schädigung der Gehirnbereiche, die räumliche Zusammenhänge verarbeiten, sowohl das Verständnis von Konstruktionen wie "am Bahnhof" als auch das von "am Montag" stört. Um das zu überprüfen, ließ er seine vier Teilnehmer in kurzen Sätzen die entsprechenden Präpositionen ergänzen. Überraschenderweise war jedoch bei keinem das räumliche und das zeitliche Sprachverständnis beeinträchtigt: Zwei der Probanden konnten nur räumliche Präpositionen zuordnen, die anderen beiden nur zeitliche.

Offenbar werden Zeitangaben und Ortsangaben unabhängig voneinander verarbeitet, obwohl die gleichen Worte benutzt werden, wie Kemmerer sagt. Demnach muß bei einer Zeitangabe nicht jedes Mal die räumliche Assoziation hergestellt werden.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

"Telemedizin ist für uns Landärzte die Zukunft"

Geringes Honorar, hoher Aufwand und auf bestimmte Diagnosen begrenzt – trotzdem setzen einige Ärzte auf die Videosprechstunde. Und das aus vielerlei Gründen. mehr »

Kein Darmkrebs-Screening ab 45 Jahren

Der GBA lehnt die Senkung der Altersgrenzen beim Darmkrebs-Screening ab. Dagegen soll das organisierte Einladungsverfahren zur Früherkennung ab Juli 2019 starten. mehr »

Was 100-Jährige von anderen unterscheidet

100-Jährige sind oft weniger krank als die Jüngeren. Worauf es ankommt, haben Forscher anhand von Daten von AOK-Versicherten herausgefunden. mehr »