Ärzte Zeitung online, 10.12.2014

Amerikanischer Nationalsport

Football schädigt Gehirne junger Spieler

Schon nach einer Saison sind bei jungen Football-Spielern Hirnstörungen nachweisbar - selbst wenn sie keine Gehirnerschütterung erlitten haben. Die Ergebnisse bereiten US-Forschern Sorgen.

Von Gabriele Wagner

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Junge Footballspieler: Der Helm schützt nicht vor allem.

© Tony Tremblay / iStock

CHICAGO. Bei jungen Ballsportlern, zumindest im American Football, sind bereits nach einer Spielsaison Störungen der Hirnfunktion in der MRT sichtbar. Und zwar auch dann, wenn sie während der Saison keine Gehirnerschütterungen erleiden.

Das jedenfalls legen Daten einer Studie nahe, die jetzt beim internationalen Radiologenkongress in Chicago vorgestellt wurden.

Für die Studie untersuchten die Forscher um Dr. Christopher T. Whitlow aus Winston-Salem in North-Carolina 24 Football-Spieler im Alter zwischen 16 und 18 Jahren.

Spezialhelm misst Krafteinwirkung

Die Probanden trugen eine Saison lang beim Training und bei allen Spielen einen Spezialhelm mit integriertem Mess-System (Head Impact Telemetry System, HITs).

Damit konnten die Forscher Häufigkeit und Stärke von Krafteinwirkungen auf den Helm und damit auf Kopf und Gehirn (Exposition) messen.

Entsprechend der HITs-Daten wurden die Spieler in zwei Gruppen unterteilt: in eine mit starker Exposition (heavy hitters, HH), n=9 und in eine mit geringerer Exposition (light hitters, LH), n=15.

Alle Probanden erhielten eine spezielle MRT (diffusion tensor imaging, DTI), in der die Ströme der Wassermoleküle im Gehirn sichtbar gemacht werden können - ein wichtiger Funktionsparameter.

Die MRT-Untersuchungen wurden jeweils vor und nach der Saison gemacht (Scientific Paper SSC09-02).

Mittels DTI wurden die Flussrichtungen der Wassermoleküle untersucht (fractional anisotropy, FA) und aus diesen Daten Funktionen der weißen Hirnsubstanz berechnet (tract based statistics, TBSS).

Dann wurden die Ergebnisse sowohl innerhalb einer der beiden Gruppen als auch zwischen beiden Gruppen verglichen.

Mindestens temporäre Störungen

Ergebnisse: Keiner der Probanden hatte eine klinische Gehirnerschütterung erlitten.

Nach der Saison hatte die FA zwar insgesamt zugenommen als Ausdruck des sich weiter entwickelnden Gehirns der Jugendlichen.

Aber: Verglichen mit der LH-Gruppe wurden in der HH-Gruppe in einigen Arealen wie dem Splenium des Corpus callosum und in der Tiefe der weißen Substanz signifikante Abnahmen des FA festgestellt.

Dies ist ein Zeichen einer mindestens vorübergehenden Beeinträchtigung, wenn nicht gar Schädigung der weißen Substanz.

Den Forschern machen diese Ergebnisse Sorgen, vor allem weil Abnahmen der FA bislang bei Patienten mit klinisch nachgewiesener Gehirnerschütterung bekannt waren. Eine solche Diagnose hatte aber keiner der Studienteilnehmer während der Saison bekommen.

Eventuelle Spätfolgen unklar

Insgesamt kommen Whitlow und Kollegen dem Schluss, dass Kontaktsportarten wie American Football offenbar auch ohne klinisch nachweisbare Gehirnerschütterungen die Funktion zumindest einiger Areale der weißen Substanz beeinträchtigen.

Inwieweit solche mittels DTI nachweisbarer Beeinträchtigungen negative Spätfolgen haben können, ist aber noch unklar. Und ebenso, inwieweit auch zum Beispiel Fuß- oder Handballer betroffen sind.

Die Studienergebnisse sind laut Whitlow und Kollegen zunächst als vorläufig zu betrachten; sie müssen durch weitere Untersuchungen und Langzeit-Verläufe bestätigt bzw. geklärt werden.

Eines aber ist klar: Es gibt kein Leben ohne Risiko, und man muss die Risiken von Sport gegen den Nutzen, die Sport bietet, abwägen, wie Whitlow in einem Interview betont.

Ihm und seinen Kollegen geht es vor allem auch darum, Risiken zu identifizieren, damit man sie möglicherweise reduzieren kann.

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