Ärzte Zeitung, 07.03.2005

Neue Therapien für Parkinson-Kranke in Sicht

Pflaster ermöglichen Wirkung über 24 Stunden / Transplantierte Zellen sollen im Gehirn Dopamin produzieren

FRANKFURT AM MAIN (dpa). Milliarden Fernsehzuschauer kennen die ergreifenden Bilder: Die Hand von Papst Johannes Paul II. zittert, er kann sich nur wie in Zeitlupe bewegen. Nach einem Luftröhrenschnitt vor gut einer Woche kann der 84jährige sogar kaum noch sprechen. Längst ist seine Krankheit vielen Menschen bekannt: Der Pontifex leidet seit mehr als einem Jahrzehnt an Morbus Parkinson.

"20 bis 40 Prozent der Parkinson-Patienten können nach dem zehnten bis zwanzigsten Krankheitsjahr eine Demenz entwickeln", sagte der Präsident des diesjährigen Deutschen Parkinson-Kongresses, Horst Baas, am Rande der Tagung in Frankfurt am Main. Experten schließen deshalb nicht aus, daß die unheilbare Krankheit irgendwann auch das Denkvermögen des Papstes schädigen könnte.

      Etwa 30 Prozent der Patienten können Demenz bekommen.
   

Baas, der Chefarzt für Neurologie am Klinikum Hanau ist, betonte allerdings: "Über den derzeitigen Geisteszustand des Papstes kann man als Außenstehender keine verläßliche Aussage treffen, eindeutige Zeichen einer Demenz sind nicht erkennbar."

Bei dem dreitägigen Deutschen Parkinson-Kongreß haben mehr als 600 Fachleute über neue Behandlungsmethoden und Forschungsansätze diskutiert. Schätzungen zufolge leiden bundesweit bis zu 250 000 Menschen an der Krankheit, die meist im Alter zwischen 50 und 60 Jahren auftritt. "Hinzu kommt aber möglicherweise eine Dunkelziffer, weil die Frühstadien nur schwer erkennbar sind", erklärte der turnusgemäß scheidende Vorsitzende der Deutschen Parkinson-Gesellschaft, Professor Peter Franz Riederer aus Würzburg.

Als eine der wichtigsten neuen Therapie-Ansätze gilt die Transplantation von Zellen aus der Augen-Netzhaut eines toten frühgeborenen Menschen ins Gehirn von Parkinson-Kranken. Dabei werden Zellgruppen in Form von winzigen Kügelchen in das Gehirn der Patienten eingesetzt. Dort sollen sie die Produktion von Dopamin aufnehmen: Der Gehirnbereich "Substantia nigra" ("Schwarze Substanz") von Parkinson-Kranken hat einen Mangel dieses wichtigen Nervenbotenstoffes.

Dieses Verfahren befindet sich aber noch in der frühen Phase klinischer Studien. Die Umsetzung in die Therapie wird nach Riederers Einschätzung frühestens 2007 beginnen. Der Wiesbadener Neurologe Professor Wolfgang Jost sagte: "Der Papst wird von einer Zelltransplantation nicht mehr profitieren, weil er dafür zu alt und seine Krankheit zu weit fortgeschritten ist."

Bei der Entwicklung von Parkinson-Medikamenten gilt, so Riederer, "daß man mit niedrigen Dosierungen und gleichmäßiger Therapie versucht, bei weniger unerwünschten Wirkungen den Langzeitverlauf günstig zu beeinflussen". Neu sei die Verabreichung von Wirkstoffen mit Pflastern, die kontinuierlich über 24 Stunden wirken. Für den Dopamin-Agonisten Rotigotin CDS als Pflaster-Medikament zum Beispiel ist vom Unternehmen Schwarz Pharma die Zulassung beantragt. "Diese Substanz kommt wohl als erstes Pflaster für Parkinson-Kranke noch 2005 auf den Markt", sagte der Chefarzt. In den kommenden Jahren werde vermutlich auch das seit langem als Tabletten verkaufte Präparat Lisurid als Pflaster erhältlich sein.

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