Ärzte Zeitung, 30.06.2005

Fibrose-Risiko durch Cabergolin wohl gering

Verdacht bei nur drei von 234 Parkinson-Patienten

LONDON (mut). Die Gefahr von Fibrosen durch eine Cabergolin-Therapie ist möglicherweise sehr gering. Darauf deuten Daten einer retrospektiven Studie mit 234 Parkinson-Patienten.

Pleuro-pulmonäre und retroperitoneale Fibrosen wurden bei Parkinson-Patienten aufgrund von Einzelfallberichten mit der Einnahme der ergolinen Dopamin-Agonisten Pergolid, Cabergolin und Bromocriptin assoziiert. Das britische Committee on Safety of Medicine rät daher zu einem Lungenfunktionstest vor dem Start einer Langzeittherapie mit ergolinen Dopamin-Agonisten.

Nach Berichten über einen möglichen Zusammenhang mit Herzklappen-Fibrosen und der Einnahme von ergolinen Dopamin-Agonisten wird nun auch diskutiert, ob vor einer Langzeittherapie eine Echokardiographie gemacht werden soll.

In einer retrospektiven Studie haben jetzt britische Ärzte die Häufigkeit von Fibrosen bei Patienten mit einer Cabergolin-Therapie untersucht. Dazu wurden die Krankenakten von 234 Parkinson-Patienten aus drei britischen Kliniken ausgewertet. Die Patienten waren im Schnitt seit acht Jahren an Parkinson erkrankt.

Die Ärzte suchten nach Vermerken, die auf eine mögliche Fibrose deuten, etwa Kurzatmigkeit, Husten unklarer Ursache sowie chronische Brust- und Bauchschmerzen. Solche Vermerke fanden sie bei 15 Patienten. Diese wurden mit bildgebenden Verfahren, Lungenfunktionstests, Bronchoskopie und Echokardiographie untersucht.

Bei den meisten waren die Beschwerden auf eine Herzinsuffizienz oder einen Lungentumor zurückzuführen. Nur bei zwei Patienten wurde eine Cabergolin-assoziierte pulmonale Alveolitis angenommen, da der Husten nach Dosisreduktion von Cabergolin zurückging. Bei einem Patienten fanden sich Zeichen einer Valvulopathie, die sich möglicherweise auf die Cabergolin-Therapie zurückführen ließ. Es hatten also nur drei Patienten eine mögliche, aber nicht eindeutig belegte Cabergolin-assoziierte Fibrose.

Das Risiko von Fibrosen, besonders auch Herzklappen-Fibrosen, durch Cabergolin sei daher sehr gering, so die Kollegen. Die Empfehlung einer Echokardiographie vor Therapiebeginn sei voreilig (Journal of Neural Transmission 112, 2005, 661).

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Drastisch veränderte Mundflora bei Krebs

Beim Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle ist die Zusammensetzung des oralen Keimwelt im Vergleich zu Gesunden drastisch verschoben. mehr »

Engagement, das Früchte trägt

Jungen Menschen fehlt es an Gespür für ehrenamtliches Engagement? Ein Vorurteil, wie sich bei der Springer Medizin Gala gezeigt hat. Deutlich wurde auch, dass Engagement für Hilfsbedürftige auch den Sinn für das Politische schärft. mehr »

So wird Insulin für Diabetiker produziert

Hinter den Toren des Industrieparks Höchst bieten sich faszinierende Einblicke in die Welt der Hochleistungs-Biotechnologie: Milliarden von E.coli-Bakterien produzieren hier das für Diabetiker überlebenswichtige Insulin. mehr »