Ärzte Zeitung, 15.11.2011

Eisen im Gehirn zeigt Verlauf einer MS an

MS-Patienten lagern im Verlauf der Erkrankung immer mehr Eisen im Gehirn ab. Jedoch scheint dies eher eine Folge der Erkrankung zu sein und weniger eine Ursache.

GRAZ (mut). Abnorme Eisenablagerungen in Gehirnen von Patienten mit Multipler Sklerose (MS), aber auch von Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen sind schon seit einiger Zeit bekannt.

Vermutet wird, dass bei solchen Erkrankungen der Eisenstoffwechsel durch oxidativen Stress gestört ist.

Lagert sich Eisen erst einmal ab, so kann es diesen Stress offenbar noch verstärken und den Tod von Nervenzellen und ihren Fortsätzen beschleunigen.

Was kommt zuerst?

Unklar war allerdings bislang, was zuerst kommt: Die Eisenablagerung oder der Schaden. Dies haben nun Forscher um Dr. Franz Fazekas aus Graz in Österreich bei Patienten mit einer gesicherten MS-Diagnose und bei solchen mit einem ersten MS-Schub untersucht (Neurology 2011; 77: 1691-1697).

Mit einem 3-Tesla-MRT analysierten sie vor allem die so genannte R2*-Relaxation. Mit ihr lässt sich der Eisengehalt quantifizieren.

Insgesamt untersuchten die Wissenschaftler 78 Patienten mit MS, 35 Patienten mit einem ersten MS-Schub und 35 gesunde Kontrollpersonen.

Dabei war die R2*-Relaxationsrate in den Basalganglien mit einem Wert von 27,9 bei MS-Patienten deutlich höher als bei den gesunden Teilnehmern (25,6), nicht aber bei den Patienten mit einem ersten Schub (R*2-Rate: 25,0).

Koinzidenz mit der Dauer der Krankheit

Daraus leiten die Forscher ab, dass die Eisenablagerungen nicht ursächlich an der Entstehung der MS beteiligt sind, sondern vielmehr ein Epiphänomen darstellen.

Die Wissenschaftler fanden zudem, dass der Eisengehalt in den Basalganglien umso höher war, je länger die Krankheit bereits dauerte, je älter die Patienten waren, je schwerer die MS verlief, und je mehr Behinderungen die Patienten aufgrund der MS hatten.

Eisenablagerungen scheinen demnach ein guter Marker für die Progression der Erkrankung zu sein, berichten die Studienautoren.

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