Schizophrenie

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind häufig

Schizophrenie-Patienten weisen ein zwei- bis dreifach erhöhtes Sterberisiko auf - meist sind kardiovaskuläre Krankheiten oder Tumoren die Ursache. Die wenigsten werden dagegen behandelt.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:
Bei Schizophrenie-Patienten gilt es auch, das kardiometabolische Risiko abzuschätzen.

Bei Schizophrenie-Patienten gilt es auch, das kardiometabolische Risiko abzuschätzen.

© lassedesignen / fotolia.com

GLEN OAKS. Patienten mit Erkrankungen aus dem Formenkreis der Schizophrenie weisen eine zwei- bis dreifach höhere Mortalität auf als Personen ohne eine solche Diagnose. Verursacht wird dies großenteils durch kardiovaskuläre Krankheiten und bösartige Tumoren, die mit Adipositas zusammenhängen.

Die Gründe dafür sind in der Erkrankung selbst, aber auch in Faktoren wie Armut, ungesundem Lebensstil und mangelhafter medizinischer Betreuung zu suchen, die mit der Schizophrenie in Verbindung stehen. Auch die medikamentöse Therapie kann sich negativ auf metabolische Parameter auswirken.

Wissenschaftler um Christoph Correll aus Glen Oaks haben nun mit einer Gruppe von rund 400 jungen Patienten (15-40 Jahre), die eine erste Schizophrenie-Episode durchmachten, untersucht, wie es um deren kardiometabolische Gesundheit bestellt ist (JAMA Psychiatry 2014; ePub October 08, 2014).

Die Patienten wurden von 34 kommunalen, quer über die USA verteilten psychiatrischen Einrichtungen betreut.

Adipositas und Hypertonie häufig

48 Prozent der Patienten waren übergewichtig, 51 Prozent rauchten, 40 Prozent hatten eine Prähypertonie und 10 Prozent einen manifesten Bluthochdruck, 13,2 Prozent ein metabolisches Syndrom. 4 Prozent waren Prädiabetiker, 3 Prozent Diabetiker. Die Dauer der psychiatrischen Erkrankung korrelierte mit höherem Body-Mass-Index, mehr Fettmasse, höherem Fettanteil und größerem Taillenumfang.

Die Dauer der Behandlung mit Antipsychotika war signifikant mit höheren Spiegeln an Non-HDL-Cholesterin, Triglyzeriden, einem erhöhten Triglyzerid/HDL-Cholesterin-Quotienten, niedrigeren HDL-Spiegeln und niedrigerem systolischem Blutdruck assoziiert.

Speziell Olanzapin war mit hohen Triglyzerid- und Insulinspiegeln und vermehrter Insulinresistenz verbunden, Quetiapin hingegen mit einem erhöhten Verhältnis von Triglyzeriden zu HDL - einem Marker für Insulinresistenz.

Zu den Effekten der Medikation ist zu bemerken, dass die Patienten im Mittel noch nicht einmal sieben Wochen lang medikamentös behandelt worden waren.

Die Daten sind allerdings vor dem Hintergrund der US-Durchschnittswerte zu sehen. Übergewicht und Adipositas der Schizophrenie-Patienten etwa wichen nicht vom Landesüblichen ab. Der Raucheranteil aber lag deutlich höher, nämlich um 20 Prozentpunkte bei den Männern und um 12 Prozentpunkte bei den Frauen.

Dyslipidämien waren bei den Patienten so häufig wie bei 15 bis 20 Jahre älteren Vergleichspersonen. Das metabolische Syndrom kam um 89 Prozent häufiger vor. Ähnliches gilt für die Prävalenz der Prähypertonie.

Selten begleitende Therapie

Eine antihypertensive Therapie bekamen nur rund 4 Prozent der Patienten. Und obwohl knapp 57 Prozent der Studienteilnehmer mindestens einen abnormen Lipidwert aufwiesen, wurden nur 0,5 Prozent mit Lipidsenkern behandelt. Drei von 100 waren Diabetiker, Antidiabetika erhielten 0,8 Prozent.

"Diese Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, die kardiometabolische Gefahrenlage für alle Patienten vor und während der antipsychotischen Therapie abzuschätzen", schreiben Correll und Kollegen. Es seien Medikamente mit niedrigem Risiko zu wählen und Nebenwirkungen entsprechend zu behandeln.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

© DG FotoStock / shutterstock

Update

Neue Podcast-Folgen

Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Herz mit aufgemalter Spritze neben Arm

© Ratana21 / shutterstock

Studie im Fokus

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Prävention durch Influenzaimpfung?

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Junge Frau spricht mit einer Freundin im Bus

© skynesher | E+ | Geytty Images

Update

Impflücken bei Chronikern

Chronisch krank? Grippeimpfung kann Leben retten

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
Abb. 1: Risikoreduktion durch Bempedoinsäure gegenüber Placebo in der CLEAR-Outcomes-Studie für den primären 4-Komponenten-Endpunkt (A) und den sekundären 3-Komponenten-Endpunkt (B) stratifiziert nach Diabetes-Status

© Springer Medizin Verlag

Diabetes mellitus

Bempedoinsäure: Benefit für Hochrisiko-Kollektive

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Daiichi Sankyo Deutschland GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Robert Koch-Institut

Impfkalender für 2026: Die Neuerungen im Überblick

Medizinische Rehabilitation

Wie Ärzte beim beim Reha-Antrag unterstützen können

Lesetipps
Diabetespatientin spritzt sich Insulin mit Insulinpen

© Goffkein / stock.adobe.com

Wenig bekannte Insulinkomplikation

Vorsicht bei Insulininjektionen: Nicht immer dieselbe Stelle nehmen

Eine kalorienarme, pflanzenbasierte Kost für mehrere Tage am Stück pro Monat kann Patienten und Patientinnen mit Morbus Crohn bei der Remission helfen.

© rh2010 / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Morbus Crohn: In nur fünf Tagen per Diät zur Remission?