Ärzte Zeitung, 16.04.2014

Knorpelschäden

Glucosamin-Trunk ohne Effekt

Über einen Zeitraum von einem halben Jahr oral eingenommenes Glucosamin trägt nicht dazu bei, die Knorpelschäden in schmerzenden arthrotischen Knien zu verringern.

Glucosamin-Trunk ohne Effekt

Verringern glucosaminhaltige Nahrungsergänzungsmittel den Verschleiß in den Gelenken? Neue Studiendaten lassen daran zweifeln.

© Getty Images/Hemera

TUCSON/ARIZONA. Glucosaminhaltige Nahrungsergänzungsmittel erfreuen sich großer Beliebtheit. Dahinter steht die Überzeugung, Glucosamin werde als Bestandteil des Bindegewebes in den Knorpel eingebaut und sorge so für geringeren Verschleiß in den Gelenken.

Was einleuchtend klingt, muss aber noch lange nicht funktionieren. So auch in diesem Fall: Über 24 Wochen hinweg eingenommene orale Glucosaminpräparate haben in einer Studie unter der Leitung von Kent Kwoh, University of Arizona, Tucson, keinen strukturellen Nutzen für arthrosegeschädigte Kniegelenke gezeigt (Arthritis Rheumatol 2014; 66: 930-939).

Rund 100 Probanden mit leichten bis mäßigen chronischen Knieschmerzen mussten hierfür täglich morgens einen knappen halben Liter Diätlimonade mit darin gelösten 1500 mg Glucosaminhydrochlorid trinken, eine entsprechend große Vergleichsgruppe bekam die Limo als Placebo, also ohne Wirkstoff zugeteilt.

Ob Tage, die über Monate mit Diätlimo begonnen werden müssen, überhaupt zu einem guten Ende führen können - sei es für die Knie oder andere Körperteile - mag dahingestellt bleiben.

Kein Unterschied festzustellen

Die Forscher um Kent Kwoh unterzogen ihre Probanden magnetresonanztomografischen Untersuchungen, um die Wirkungen des Glucosamingetränks auf den Zustand des Knieknorpels und des subchondralen Knochenmarks zu dokumentieren. Außerdem bestimmten sie die Konzentration des C-Telopeptids von Typ-II-Kollagen (CTX-II) im Urin. Dieser Biomarker korreliert mit der Arthroseprogression.

Im Vergleich zum Ausgangszustand verschlechterte sich der Knorpelzustand in 1,41 Prozent der mehr als 5600 bildgebend dargestellten Knieregionen.

Ein Unterschied zwischen der Glucosamin- und der Vergleichsgruppe war nicht festzustellen. 70 Prozent der Knie zeigten unveränderte Knochenmarksläsionen, 18 Prozent eine Verschlechterung und 10 Prozent eine Verbesserung.

Und bei den übrigen Gelenken ergab sich ein gemischtes Bild. Während sich die beiden Gruppen bei den verschlechterten Befunden nicht unterschieden, war die Kontrollgruppe in puncto Verbesserungen überlegen. Es gab zudem keine Hinweise darauf, dass der Glucosamintrunk die CTX-II-Ausscheidung vermindern würde. (rb)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Gut gemeint, aber nicht gut

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Epileptiker haben hohe Überdosisgefahr

Die Gefahr, an einer Medikamentenüberdosis zu sterben, ist bei Epilepsiekranken fünffach erhöht, so eine Studie. Doch es ist anders, als auf den ersten Blick gedacht: Schuld sind meist nicht die Antikonvulsiva. mehr »

Zehntausende Arztpraxen nicht ohne Barrieren zu erreichen

Nur ein Drittel der Arztpraxen in Deutschland gelten – auch nur zum Teil – als barrierefrei. Das schränke die freie Arztwahl körperlich beeinträchtigter Menschen ein, moniert die Linke-Sozialexpertin Sabine Zimmermann. mehr »

Nichtstun ist gefährlich für Patientendaten

Nur noch wenige Tage, dann tritt die EU-Datenschutzgrundverordnung in Kraft. Grund genug auch für Ärzte, sich die Prozesse der Datenverarbeitung anzuschauen und auf Sicherheit abzuklopfen. mehr »