Ärzte Zeitung, 27.06.2005

In der Postmenopause mangelt es oft an Vitamin D

Dachverband Osteologie empfiehlt Kalzium und Vitamin D als Basistherapie bei Osteoporose-Kranken

HAMBURG (awa). Vitamin D ist essentiell für gesunde Knochen, denn ohne genügend Vitamin D wird Kalzium schlecht aus dem Darm resorbiert. Frauen in der Postmenopause haben häufig nicht genug Vitamin D. Deshalb gehört außer Kalzium auch dieses Vitamin zur Basistherapie bei Osteoporose. Der Dachverband Osteologie empfiehlt auch eine weitere Therapie, zum Beispiel Bisphosphonate, zur Frakturprophylaxe.

Schnitt durch einen gesunden Röhrenknochen (links). Der Knochen rechts ist deutlich verändert. Zum Beispiel ist die Trabekelstruktur ausgedünnt. Es handelt sich um Osteoporose. Eine Ursache ist Vitamin-D-Mangel. Die Haut älterer Menschen kann nicht mehr so viel des Vitamins bilden. Foto: dpa

Ohne Kalzium werde nicht nur kein Knochen aufgebaut, sondern bei Kalzium-Mangel Parathormon ausgeschüttet und Kalzium sogar aus dem Knochen freigesetzt. Daran erinnerte Dr. Hermann Schwarz aus Freudenstadt auf der Jahrestagung der Norddeutschen Orthopäden in Hamburg. Die Konsequenzen seien eine geringere Knochenmineraldichte und ein höheres Frakturrisiko.

Vitamin D kann in der Haut mit Hilfe des Sonnenlichts gebildet werden. Im Alter läßt jedoch diese Eigenproduktion nach. Außerdem halten sich viele ältere Menschen wenig in der Sonne auf. Da über die Nahrung mit weniger als 100 IU pro Tag Vitamin D unzureichend aufgenommen werde, empfiehlt zum Beispiel das europäische wissenschaftliche Komitee zur Ernährung, daß Menschen über 65 Jahre 400 IU pro Tag zusätzlich einnehmen sollten.

Bei Frauen in der Postmenopause sei ein Vitamin-D-Mangel weit ver-breitet, betonte Schwarz auf einer Veranstaltung des Unternehmens MSD. Ein solcher Vitaminmangel liegt vor, wenn weniger als 30 ng / ml des Vitamin-D-Metaboliten 25-Hydroxy-Colecalciferol im Blut nachgewiesen werden. In einer Untersuchung in den USA hatten mehr als die Hälfte der Frauen in der Postmenopause, die wegen einer Osteoporose behandelt wurden, weniger als 30 ng / ml. Und ein Viertel hatte sogar unter 25 ng / ml Colecalciferol.

Dabei fördere Vitamin D die Muskelkraft und -koordination, so daß weniger Stürze und damit auch weniger Frakturen aufträten, so Schwarz. Mit einer alleinige Applikation von täglich 800 IU Vitamin im Vergleich zu keiner Behandlung konnte die Frakturrate um 33 Prozent gesenkt werden. Das hat eine Studie mit mehr als 2500 Frauen und Männern zwischen 65 und 85 Jahre ergeben. Bei Frauen in der Postmenopause verringerte Kalzium plus Vitamin D im Vergleich zu Kalzium das Sturzrisiko um 49 Prozent.

In seinen Leitlinien empfiehlt der Dachverband Osteologie (DVO), daß Frauen in der Postmenopause mit Osteoporose Kalzium und täglich 400 bis 800 IU Vitamin D als Basistherapie bekommen sollten und zum Beispiel ein Bisphosphonat, um Frakturen vorzubeugen.

Schwarz wies darauf hin, daß selbst mit 2000 IU Vitamin D pro Tag eine Überdosierung nicht zu befürchten sei. Eine Hyperkalzämie trete erst bei 88 ng / ml Colecalciferol ein. Um diesen Wert zu erreichen, müßten aber täglich 40 000 IU Vitamin D aufgenommen werden.

In den USA ist vor kurzem ein Kombinationspräparat mit dem Bisphosphonat Alendronat (70 mg) und Vitamin D (2800 IU) als Fosamax PLUS D™ zur einmal wöchentlichen Einnahme zugelassen worden.

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