Ärzte Zeitung online, 30.11.2017
 

Ansatz für Behandlung?

Osteoporose – neue Teile im großen Krankheits-Puzzle

Wissenschaftlern der Uni Ulm ist es gelungen, mit Menin und CXCL10 wichtige Faktoren bei der Entstehung von Osteoporose zu entschlüsseln. Ihre Erkenntnisse liefern einen Ansatz für neue Therapien.

Osteoporose – neue Teile im großen Krankheits-Puzzle

© Universität Ulm

ULM. Bei der Erforschung von Osteoporose sind Wissenschaftler der Universität Ulm einen wichtigen Schritt vorangekommen. "Wir haben einen neuen Faktor der Regulation von Knochendichte entdeckt", wird Studienautor Professor Jan Tuckermann in einer Mitteilung der Universität zitiert (Cell Death and Differentiation 2017; 24: 672–682).

Im Fokus der Forscher stand der Tumorsuppressor Menin. Das Fehlen des Gens für Menin in Osteozyten sorgte in den Knochen von Mäusen für die starke Vermehrung von Osteoklasten, die den Knochen auflösen, wie Tuckermann und seine Kollegen herausgefunden haben. Zudem identifizierten die Forscher das Molekül CXCL10, das von den Osteozyten synthetisiert wird. "Wird dieses Molekül ausgeschüttet, gibt es mehr Osteoklasten", so Tuckermann. "Es gibt noch eine Reihe anderer Faktoren, aber wir haben diesem Puzzlespiel zwei neue Faktoren hinzugefügt", so der Molekularbiologe.

Neue Therapieoption bei Osteoporose

Die Ergebnisse könnten neue Ansätze für die Behandlung der Osteoporose liefern, hoffen die Wissenschaftler. "Gängige Therapien blockieren den Knochenabbau", erläutert Tuckermann. Das sei zunächst gut, weil nicht mehr Knochenmasse verloren gehe. Gleichzeitig leide jedoch die Knochenqualität, weil zum Umbau der Knochen, der bei sich verändernden Anforderungen ans Skelett permanent im Körper abläuft, immer ein Beitrag der abbauenden Osteoklasten gehöre.

Nachdem mit ihrer Studie nun einer der Kommunikationswege zwischen Osteozyten und Osteoklasten aufgedeckt ist, könne der Versuch folgen, die Interaktion dieser Zellen zu dämpfen: "Denkbar wäre, das Molekül CXCL10 mit Antikörpern zu verringern", so Tuckermann. Die über sieben Jahre laufenden Forschungen haben ein weiteres Ergebnis geliefert: Der Menin-Verlust in den Osteoblasten von Mäusen führte in einigen Fällen zu Tumorbildung im Unterkiefer (Oncogene 2017; online 8. Oktober).

Ursache für seltenen Tumor?

Dieses ist dem beim Menschen auftretenden Ossifizierenden Syndrom ähnlich, berichten die Ulmer Forscher. Die Tumorerkrankung führt zu starkem Zellwachstum im Unterkiefer und sei noch kaum erforscht. Derzeit könne dieser sehr seltene, gutartige Tumor lediglich durch tief greifende und entstellende Eingriffe behandelt werden.

Bislang war über die auslösenden Faktoren dieser Tumorerkrankung nur wenig bekannt. Jetzt stellten die Ulmer Forscher erstmals in einem Mausmodell fest, dass Menin einen Hemmer des Zellwachstums steuert – das sogenannte p21 — und so das Tumorwachstum unterdrückt. Fehlt Menin, vermindert p21 seine Aktivität und bestimmte Zellen beginnen vermehrt zu wachsen.

In einem nächsten Schritt wollen die Ulmer Wissenschaftler gemeinsam mit Kollegen des Deutsch-Österreichisch-Schweizer Arbeitskreises für Tumoren aus dem Kiefer und Gesichtsbereich (DÖSAK) humane Proben des Ossifizierenden Syndroms untersuchen, um die Erkenntnisse aus der Arbeit mit Mäusen zu überprüfen.

"Wir hoffen, dadurch therapeutische Ansätze zu finden, die das Entstehen dieser Tumoren verhindern könnten", so Tuckermann. (eb)

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© Universität Ulm

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