Ärzte Zeitung, 14.02.2013
 

Tuberöse Sklerose

Mit Everolimus schrumpfen Nierentumoren

Pharmakotherapie könnte langfristig eine Alternative zur Nieren-Op werden.

BERLIN. Die Charité - Universitätsmedizin Berlin hat zusammen mit dem TSC Zentrum Berlin eine neue Therapie für Patienten entwickelt, die an Nierentumoren leiden, die mit der Erbkrankheit Tuberöse Sklerose (TSC) in Verbindung stehen.

Den Forschern ist es gelungen, das Tumorvolumen bei TSC-Patienten durch Einsatz von Everolimus deutlich zu reduzieren. Die Ergebnisse der Studie sind in "The Lancet" (Lancet 2013; online 11. Januar) erschienen.

Tuberöse Sklerose kann bekanntlich viele Organe befallen, etwa die Nieren, das Gehirn, die Haut, die Lunge und das Herz. Die Erkrankung ist durch eine fehlerhafte Regulation des mTOR-Signalwegs gekennzeichnet, erinnert die Charité in einer Mitteilung.

mTOR ist Bestandteil eines Proteinkomplexes, der unterschiedliche Signalwege der Zelle integriert, die Herstellung von Proteinen reguliert und so Zellwachstum und Zellzyklus steuert.

Die Fehlregulation des mTOR-Signalwegs führt zum übermäßigen Zellwachstum und damit zur Entstehung gutartiger Tumore auf der Haut und im Körperinneren.

Schwere Blutungen sind möglich

Durch das stete Wachstum könne es jedoch zu schweren Blutungen und zur Verdrängung von anderen Organen kommen; Nierentumoren könnten zudem gravierende Nierenprobleme auslösen, meldet die Charité.

"Die weltweite Zulassungsstudie hat erstmals gezeigt, dass der Einsatz des Medikaments Everolimus, eines sogenannten mTOR-Hemmstoffs, bei Patienten mit Nierentumoren, die durch Tuberöse Sklerose ausgelöst werden, das Tumorvolumen deutlich reduzieren kann", wird Professor Klemens Budde, Oberarzt in der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie am Campus Charité Mitte, und verantwortlicher Autor der Studie in der Mitteilung zitiert.

Innerhalb eines halben Jahres verringerte sich bei fast der Hälfte der betroffenen Patienten das Tumorvolumen um mehr als 50 Prozent. Außerdem führte die Therapie bei einem Viertel der Patienten zur Verbesserung der Hautsymptome.

Die neue Pharmakotherapie könnte somit langfristig eine wirksame Alternative zur operativen Entfernung der Niere bieten - wie das Lancet Editorial betont -, so die Charité. (eb)

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