Patienten mit Hypertonie

Cochrane-Review bestätigt Nutzen einer Blutdrucksenkung bei über 60-Jährigen

Wer über 60 Jahre alt ist und Hypertonie hat, profitiert von einer blutdrucksenkenden Therapie. Ein Cochrane-Team hat erneut die neueste Datenlage systematisch analysiert.

Veröffentlicht:
Eine Ärztin misst den Blutdruck einer älteren Frau.

Blutdruckmessung: Das Mortalitätsrisiko kann bei älteren Patienten mit Hypertonie gesenkt werden, wenn sie blutdrucksenkende Medikamente erhalten.

© svetikd / Getty Images / iStock

Vancouver. Eine Cochrane-Analyse bestätigt erneut, dass die Therapie von über 60-jährigen Menschen mit Hypertonie ihr Mortalitätsrisiko senkt sowie das Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle verringert. Das aktuelle systematische Review ist das dritte Update einer erstmals 1998 publizierten Analyse (Cochrane Syst Rev 2025; online 9. Oktober).

Untersucht wurden 16 Studien mit insgesamt 26.795 Erwachsenen im Alter von 60 Jahren oder älter (mittleres Alter 73,8 Jahre) mit mittelschwerer bis schwerer systolischer und/oder diastolischer Hypertonie (Durchschnitt: 182/95 mmHg). In den Studien wurde die Gabe blutdrucksenkender Medikamente mit Placebo oder keiner Behandlung über einen Zeitraum von durchschnittlich 3,8 Jahren verglichen (mindestens ein Jahr).

Hypertonie war definiert als ein systolischer Blutdruck (SBP) > 140 mmHg oder diastolischer Blutdruck (DBP) > 90 mmHg oder beides.

Weniger Todesfälle und kardiovaskuläre Erkrankungen

Das Ergebnis: Blutdrucksenkende Medikamente senkten bei Menschen ab 60 Jahren mit Bluthochdruck das Sterberisiko (10 versus 11 Prozent; RR 0.91) und verringerten wahrscheinlich auch die kardiovaskuläre Mortalität und Morbidität (10 versus 14 Prozent; RR 0,72).

Die zerebrovaskuläre Mortalität und Morbidität war unter Antihypertensiva geringer (3,4 versus 5,4 Prozent, RR 0,66), sowie auch das Risiko einer koronaren Herzerkrankung (KHK) und Tod aufgrund KHK (3,7 versus 4,8 Prozent; RR 0,78).

Der Nutzen war ähnlich, wenn sowohl der systolische als auch der diastolische Wert erhöht waren und wenn nur der systolisch Wert erhöht war.

Lesen sie auch

Die meisten Studienteilnehmer wurden mit einem Thiazid behandelt. Patienten, die Antihypertensiva bekamen, brachen möglicherweise häufiger die Studie ab aufgrund unerwünschter Wirkungen (16 versus 5,4 Prozent; RR 2,91).

Das Cochrane-Team verglich auch die Wirksamkeit bei Unter- und Über-80-Jährigen. Die Gesamtmortalität wurde bei den 60- bis 79-Jährigen durch die Therapie gesenkt (RR 0,83), nicht so aber bei den Über 80-Jährigen (RR 0,97). Der Test auf Untergruppendifferenzen ergab jedoch keinen Hinweis auf einen Unterschied. Die kardiovaskuläre Mortalität wurde hingegen in beiden Subgruppen gesenkt (RR 0,71 und 0,75).

Dieses Update enthält keine neuen oder aktuell laufenden Studien. Die Evidenz für die Ergebnisse wird daher als moderat bis hoch eingeschätzt. Ein weiteres Update wird es nicht geben. (schu)

Lesen sie auch
Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Review

RAS-Blocker präoperativ eher nicht absetzen?

Fallstricke in der Praxis

Häufige Fehler in der Hypertonie-Therapie: So geht’s besser!

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1-- Zeit bis zum ersten Ereignis (Tod durch jegliche Ursache oder kardiovaskuläres Ereignisb) in der Gesamtpopulation (a) bzw. in der Monotherapie-Population (b).

© Springer Medizin Verlag

Mit Vutrisiran früh kausal behandeln

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Abb. 1: Risikoreduktion durch Bempedoinsäure gegenüber Placebo in der CLEAR-Outcomes-Studie für den primären 4-Komponenten-Endpunkt (A) und den sekundären 3-Komponenten-Endpunkt (B) stratifiziert nach Diabetes-Status

© Springer Medizin Verlag

Diabetes mellitus

Bempedoinsäure: Benefit für Hochrisiko-Kollektive

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Daiichi Sankyo Deutschland GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Keine Modeerscheinung

ADHS im Erwachsenenalter: Das gilt für Diagnostik und Therapie

Lesetipps
Endoskopische Auffälligkeiten bei der Colitis ulcerosa

© Gastrolab / Science Photo Library

Interview

Das ist neu in der S3-Leitlinie Colitis ulcerosa

 Shabnam Fahimi-Weber

© Jochen Tack

Einsatz im Kriegsgebiet

Essener HNO-Ärztin hilft Menschen im Iran via Telemedizin