Ärzte Zeitung, 14.07.2014

Cochrane-Analyse

Inkontinenz: Kräftigung des Beckenbodens hilft doch!

Große therapeutische Wirkung, kaum unerwünschte Effekte: Mit Beckenbodentraining fühlen sich achtmal mehr Frauen von Inkontinenz geheilt als ohne Therapie, mit Placebo oder Scheinbehandlung. Das zeigt eine Cochrane-Analyse.

Blase_AH.jpg

Gegen Inkontinenz kann Beckenbodentraining helfen, zeigt eine Cochrane-Analyse.

© Wigger/DAK

MONTREAL. Beckenbodentraining hat in der S2-Leitlinie zur Belastungsinkontinenz der Frau den höchsten Empfehlungsgrad (A) erhalten - einer Metaanalyse zufolge zu recht.

Dafür haben Forscher der University of Montreal die Ergebnisse von 18 randomisierten oder quasi randomisierten Studien mit insgesamt 1051 Frauen mit Belastungs-, Drang- oder Mischinkontinenz analysiert.

541 Frauen hatten an einem Programm mit Beckenbodentraining (BBT) unter Anleitung teilgenommen. 510 Frauen gehörten zu Kontrollgruppen, die entweder keine Therapie, Placebo oder eine Scheinbehandlung erhielten (Cochrane Database Syst Rev 2014).

In sechs dieser Studien wurde ausschließlich eruiert, wie viele Frauen geheilt wurden. Nach Beckenbodentraining gaben in allen Studien signifikant mehr Frauen an, geheilt zu sein.

In den vier Studien, an denen lediglich Frauen mit Belastungsinkontinenz teilgenommen hatten, fühlten sich 46 von 82 (56,1 Prozent) Frauen mit Beckenbodentraining geheilt, in den Kontrollgruppen waren es nur 5 von 83 (6 Prozent) Frauen.

Symptome haben sich gebessert

Somit fühlten sich achtmal mehr Frauen nach dem Training geheilt. In den Studien, in denen auch Frauen mit Drang- oder Mischinkontinenz teilgenommen hatten, schnitt das Beckenbodentraining ebenfalls signifikant besser ab, allerdings war der Effekt nicht so groß wie speziell in den Studien mit Belastungsinkontinenz.

In vier Studien wurde geprüft, wie viele Frauen geheilt wurden oder bei wie vielen sich die Symptome zumindest gebessert hatten.

Auch hier schnitt das Beckenbodentraining deutlich besser ab: 17-mal mehr Frauen in den Beckenbodentrainingsgruppen mit reiner Belastungsinkontinenz fühlten sich geheilt oder zumindest gebessert als in den Kontrollgruppen (32/58 versus 2/63).

Und in den Studien mit Frauen, die auch andere Inkontinenzarten hatten, waren es immerhin doppelt so viele.

Kaum unerwünschte Effekte

Das Gute: Der Cochrane-Analyse zufolge hat Beckenbodentraining kaum unerwünschte Effekte. In drei der vier Studien, die nicht nur die Wirkungen, sondern auch die Nebenwirkungen der Methode angaben, wurden offenbar keine gefunden.

Lediglich in einer Arbeit wurde über Schmerzen bei einer Teilnehmerin nach Beckenbodentraining und ein unangenehmes Gefühl während der Übungen von drei Frauen berichtet.

Möglicherweise hält der positive Effekt des Trainings eine Weile an: Aus zwei Studien gibt es Hinweise, dass das Training bis zu einem Jahr Wirkung zeigt.

"Bei einer Belastungsinkontinenz soll ein angeleitetes Beckenbodentraining über mehr als drei Monate, kombiniert mit einem Blasentraining, durchgeführt werden (Empfehlungsgrad A)", heißt es in der S2-Leitlinie.

Das Beckenbodentraining sollte individuell angeleitet werden und könne als Einzeltherapie, in der Gruppe oder im eigenverantwortlichen Training durchgeführt werden. (ikr)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Nutzen Antibiotika bei Dentaleingriffen?

Patienten mit Herzklappen-Ersatz haben nach zahnärztlichen Eingriffen womöglich ein erhöhtes Risiko für infektiöse Endokarditiden. Doch wie groß ist es und schützen Antibiotika? mehr »

Medizin vor Ökonomie - Kodex soll Prioritäten klarmachen

Medizinische Fachgesellschaften treten gegen die Ökonomisierung der Medizin an – mit einem Kodex. mehr »

Eine Milliarde Euro mehr für Ärzte? KBV ist "enttäuscht"

Die Vertragsärzte in Deutschland bekommen im nächsten Jahr knapp eine Milliarde Euro mehr an Honorar. Das ist das Ergebnis der Honorarverhandlungen zwischen KBV und GKV-Spitzenverband. mehr »